Mit Sicherheit

Unsere Feuerwehr

Für viele Menschen ist die Feuerwehr etwas Selbstverständliches. Erst wenn man in Not gerät, denkt man an sie. Längst ist sie nicht nur Motor und Mittelpunkt der dörflichen Gemeinschaft. Die Aufgaben, auf  die wir später noch kommen, machen aus dieser Einrichtung eine Universal-Institution der Gefahrenabwehr auf vielen Gebieten.

Jede Gemeinde bzw. Stadt ist verpflichtet, eine leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen und zu

unterhalten. Die großen Städte, die mehr als 100.000 Einwohner haben, müssen eine Berufsfeuerwehr haben, die kreisfreien Städte verfügen über eine Freiwillige Feuerwehr, die im Tagesbetrieb durch hauptamtliche Feuerwehrleute verstärkt wird. Sie führen die Bezeichnung Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlicher Wachbereitschaft. Alle anderen Gemeinden unterhalten reine Freiwillige Feuerwehren.

Hier gibt es drei Arten:

Erstens die Ortsfeuerwehr mit Grundausstattung. Diese Wehren findet man dort vor, wo es mehr als eine Feuerwehr in der Gemeinde gibt.

Zweitens die Stützpunktfeuerwehren. Sie werden in großen Gemeinden gebildet. Jeder fünfte Ort muss eine solche Wehr haben. Aber auch Gemeinden mit nur einer Wehr sind verpflichtet, einen

„Stützpunkt“ zu bilden. Hierzu gehören insbesondere unsere Inseln. Eine Ausnahmestellung nehmen die Inseln Borkum und Norderney ein. Hier sind Schwerpunktfeuerwehren, die dritte Art, vorgeschrieben.

Worin besteht nun der Unterschied zwischen diesen Arten? Die Ortsfeuerwehren sind nur mit einem Fahrzeug ausgestattet. Es wird davon ausgegangen, dass im Einsatzfall andere Ortswehren oder die nächste Stützpunktwehr mit alarmiert werden. Stützpunktfeuerwehren haben mindestens zwei Löschfahrzeuge und sind auch für die größere selbständige Einsatzbewältigung ausgestattet. Das ist besonders auf unseren Inseln von großer Bedeutung, da wir nicht sofort auf nachbarliche Löschhilfe hoffen können. Schwerpunktfeuerwehren sind mit großen Löschfahrzeugen, Drehleitern und Fahrzeugen für die technische Hilfeleistung ausgestattet. Sie sind in mehrere Löschzüge aufgeteilt.

Nachdem wir nun die Organisation der Feuerwehren kennengelernt haben, widmen wir uns unserer Baltrumer Wehr. Natürlich verfügen wir über zwei Löschfahrzeuge. Das Tanklöschfahrzeug hat eine Besatzung von drei Personen und einen Wassertank für 1.800 l. Löschwasser. Das andere Löschfahrzeug hat eine Besatzung in Gruppenstärke (neun Personen). Neben der Feuerlöschpumpe und der Geräte- und Schlauchausstattung ist ein Löschwassertank für 800 l eingebaut. Dieses Fahrzeug ist für die selbständige Brandbekämpfung von allen Bränden vorgesehen, während das Tanklöschfahrzeug vor allem für das Löschen von Bränden im Freien und zur Unterstützung des Löschgruppenfahrzeugs eingesetzt wird.

Eine zweckmäßige Ergänzung des Fahrzeugparks wäre der Kauf eines Kleinlöschfahrzeuges. Es hat einen Wassertank und kann sechs Leute aufnehmen. Dieses Fahrzeug ist mit Allradantrieb universell einsetzbar. Durch die Staffelbesatzung  ist die Durchführung von Löschangriffen in Gebäuden problemlos, da die Mannschaftsstärke für einen Einsatz unter schwerem Atemschutz ausreicht. Das dann nachrückende Löschgruppenfahrzeug kann, falls erforderlich, Unterstützung gewähren. Das fast 25 Jahre alte Tanklöschfahrzeug bleibt dann für Ersteinsätze im Gelände - es ist geländegängig - und für kommunale Nutzung auf der Insel. Es ist außerdem als „Vertretungs-Fahrzeug“ erforderlich, wenn eines der anderen Fahrzeuge zur Wartung und TÜV-Untersuchung ans Festland muss.

Zur Sonderausstattung der Baltrumer Wehr gehört eine Anhängeleiter, die eine Nutzhöhe von 16 m hat, ein Pulveranhänger und Geräte der technischen Hilfeleistung – besonders für die Bewältigung einer Sturmflut und deren Folgen.

Die Möglichkeit auch im unwegsamen Gelände helfen zu können, bietet das Geländefahrzeug, das vor einigen Jahren durch Spendenhilfe angeschafft werden konnte. das gebraucht gekaufte Pritschenfahrzeug wird in besonderen Fällen auch als Notarztfahrzeug genutzt.

Die Inselglocke Baltrum 1-2003

Natürlich genügt es nicht gute Fahrzeuge und technische Geräte zu haben. Eine einsatzfreudige und gut ausgebildete Mannschaft machen erst eine leistungsfähige Feuerwehr aus. Wir wissen bereits, dass die Einsatzmannschaft aus zwölf Personen besteht. Hinzu kommt der Gemeindebrandmeister. Hier sind es der Gemeindebrandmeister Alexander Gutbier und sein Stellvertreter Hans Henning Bruns-Strenge.

Es ist logisch, dass nicht immer alle zwölf Mann einer Freiwilligen Feuerwehr zur Verfügung stehen.

Darum schreibt der Gesetzgeber eine 150-prozentige Reserve vor. Das heißt, jeder Platz in der Mannschaft ist 2,5-fach besetzt. So ist sichergestellt, dass aus dieser Gesamtmannschaft immer zwölf Feuerwehrleute schnellstens zur Verfügung stehen. Die anderen werden dann zur Unterstützung und Ablösung der Einsatzkräfte benötigt. Das bedeutet für Baltrum eine Gesamtstärke von 32 Personen. Es ist schwierig, aus einer Einwohnerschaft von ca. 550 Menschen eine solche Mannschaft aufzustellen. Viele Jugendliche verlassen die Insel nach der Schule und kehren vielleicht erst nach Jahren wieder zurück.

Das Aufnahmealter liegt zwischen 16 und 45 Jahren. Die Überführung in die Altersabteilung erfolgt am 62. Geburtstag. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass viele Baltrumer sich im kulturellen Bereich betätigen oder zur Mannschaft des Rettungsbootes gehören. Bedenken wir, dass es in Niedersachsen bei einer Gesamtbevölkerung von 7,9 Millionen Menschen 130.132 Freiwillige Feuerwehrleute gibt. Dies entspricht 1,6 % der  Niedersachsen. Die Damenschaft ist in ganzen Land mit 8790 vertreten, auf Baltrum gibt es z.Z. nur ein weibliches Mitglied.

Kommen wir nun zur Ausbildung. Jedes neue Mitglied muss innerhalb der einjährigen Probezeit einen Grundlehrgang und einen Erste-Hilfe-Kurs mit Erfolg absolvieren. So fand in diesem Winter beides auf Baltrum statt. Alle sechs Teilnehmer bekamen von den Prüfern gute Zeugnisse. Die beiden Lehrgänge wurden von Dieter Helmers, Kreisausbilder für Grundlehrgänge, und Herrn Heidrich, Erste-Hilfe-Ausbilder des DRK Ortsverein Hage, durchgeführt. Die Schlagkraft der Wehr erhielt einen guten Aufschwung und hoffentlich gibt es bald weitere Interessenten für die Wehr. Die weiteren Laufbahnlehrgänge werden an den beiden Feuerwehrschulen Loy und Celle durchgeführt. Der wichtigste technische Lehrgang ist der Atemschutzgeräteträgerlehrgang. Nur wer ihn hinter sich hat, darf unter schwerem Atemschutz in den Einsatz gehen. Natürlich geht dem Lehrgang eine entsprechende ärztliche Untersuchung voraus, deren Umfang genau vorgeschrieben ist. Dieser Lehrgang fand vor kurzem mit sieben Teilnehmern unter der Leitung des Fachausbilders der Feuerwehr Emden hier statt. Alle Teilnehmer bestanden die Prüfung.

Weitere technische Lehrgänge werden vor Ort oder an der Feuerwehrschule in Loy durchgeführt.

Die ständige Ausbildung findet in den Wintermonaten jeden Dienstagabend statt. Da wechseln sich theoretische Unterweisungen, Grund- und Einsatzübungen ab. Im Sommer findet monatlich ein Arbeitsabend im Feuerwehrhaus statt. Die sonnabendlichen Bewegungsfahrten finden auch nur im Winter statt. Sie dienen sowohl der Ausbildung der Fahrer wie auch der Bewegung der Fahrzeuge.

Es ist klar: die Feuerwehr ist kein Verein, sondern eine öffentliche Einrichtung, die wichtige Aufgaben erfüllen muss. Die Mitglieder müssen hoch motiviert sein und dürfen ihre Arbeit nicht als Opfer an die Allgemeinheit sehen sondern als Ehrenarbeit für ihre Mitmenschen. Die Öffentlichkeit muss ihrerseits aber auch die Arbeit und vor allem die Bereitschaft der Feuerwehrleute, Leib und Leben für sie einzusetzen, entsprechend honorieren.

Es gibt noch vieles über die Feuerwehr zu berichten, warten Sie ab, was in der nächsten Inselglocke steht.

 

Heino Comien