Verträge

Tierhaltung

"Sie sucht sich ihren Besitz sorgfältig aus...  Der Ausdruck "Katzenhaltung" bedeutet korrekt angewendet demnach: Die Katze hält sich einen Menschen."

Dies las ich vor einigen Monaten und konnte nur zustimmend nicken. Clarence heißt er, der beschlossen hat bei mir zu leben. Wohlgemerkt, ich habe ihn nicht angeschafft, er ist mir auch nicht zugelaufen, er wohnte bereits in dem Haus, in das ich zog, zusammen mit einem Bruder und einer alten Katzendame. Die drei "gehören" einer Miete­rin aus dem ersten Stock, ich selbst habe einen Mietvertrag unter­schrieben, in dem Hunde- oder Katzenhaltung schlicht verboten ist. Zu den Besonderheiten unseres Wohnhauses gehört ein großzügiger Hof, grün, nicht gepflastert mit prächtigen alten Blumen. Umgeben ist das Ganze von einer Steinmauer, die von Efeu und Winden über­wuchert ist. Hier ist, was vom Vermieter als Wäscheplatz deklariert wird, das Reich der drei Minitiger - sofern gutes Wetter ist.

Bei schlechtem müssen sie zusehen, wie sie ins Haus kommen und die Hoftür geschlossen ist. Doch da gibt es einen alt gewohnten Weg: Von der Steinmauer mit einem kühnen Sprung auf das Fenstersims meines Schlafzimmers, dort entlang bis ein kleiner Hopser nötig wird zu meinem Balkon. Von dort ist mit einem Hechtsprung der Sims eines Fensters vom Treppenhaus erreichbar, das meist offen steht.

Nun fanden meine Blumen in den Balkonkästen es gar nicht so be­kömmlich, ständig als Landeplatz herhalten zu müssen. Zwei Stücke "Katzentreppe" führen nun zu und von meinem Balkon und werden ohne Umstände genutzt.

Für Clarence war mein Balkon aber von Anfang an nicht nur Durch­gangsgelegenheit, Clarence saß gern vor meiner Balkontür und schaute mit großen Augen in meine Küche, die er dann eines Tages vorsichtig betrat. Nach einer gründlichen Inspektion meiner Woh­nung und Begutachtung diverser als Ruhemöglichkeit geeigneter Plätze blieb der Kater immer länger. Er genoss und genießt es immer noch, großzügige Streicheleinheiten zu bekommen und nahm bei seinem Frauchen nur noch die Mahlzeiten. (Das entsprach der Verabredung zwischen ihr und mir.) Nach etwa einem halben Jahr allerdings war Kater Clarence morgens gegen 9 zu Besuch gekommen und um 18.00 Uhr immer noch da, als seine Besitzerin ihn holen wollte. Da er unter das Sofa abgetaucht war und nicht hervorkommen wollte, war er gegen 23 Uhr immer noch da und mittlerweile hungrig. Ich öff­nete meinem Tagesgast die Tür zum Treppenhaus, und wie ein Blitz schoss er eine Etage höher. Doch sein Miauen dort führte ihn nicht an den Fleischtopf, also miaute er vor meiner Tür. Als lernfähiger Mensch folgte ich seinem hoch erhobenen Schwanz die Treppe hin­auf und schellte. Als nun auch dies unerhört blieb, weil sein Frauchen nicht daheim war, brach er mit einem Seufzer auf ihrer Schwelle zusammen und verabschiedete sich mit einem Miau von mir. Am nächsten Tag erweiterte sich die Verabredung mit seiner Be­sitzerin dahin gehend, dass ich "irgendeine Tüte Trockenfutter" vorrätig haben sollte - im Falle des Falles.

Daraus ist längst die regelmäßige Fütterung der besonders guten Sorten geworden, das Servieren ganz besonderer Katzenmilch und ein Pflegeabonnement auf tägliches Kämmen. Die "Fleischtöpfe Ägyp­tens" allerdings befinden sich nach wie vor eine Etage höher. Ergo erfülle ich den Mietvertrag, dass ich auf Haustierhaltung verzichte, denn Kater Clarence hält sich mich.

P.S. Seit einigen Wochen bekommt Clarence Fisch serviert, in den kleinen Döschen oder Schälchen, die besonders gut (?) und teuer sind.......

Helga Ribani

2001 und 2002

Clarence. Was ist das für ein Sommer?! (Juni 2002) Die Balkonmöbel bleiben verpackt, immerhin kann man da liegen.

Die Inselglocke 1-2003