Mit Sicherheit

Unsere Feuerwehr VII

 

Die achtziger Jahre begannen feuerwehrmäßig mit der Neuwahl der Wehrführung. Gemeindebrandmeister Friedrich Nannen übergab 1981 die Amtsgeschäfte nach einer eindeutigen Wahl an seinen bisherigen Stellvertreter Hansjürgen Barow. Neuer Stellvertreter wurde Hans-Henning Bruns-Strenge, allerdings mit einem sehr knappen Wahlergebnis. Der Rat ernannte beide Funktionsträger für die Dauer von sechs Jahren. 39 Mitglieder zählt die Wehr zu dieser Zeit.

Anfang Mai kam es zu einem Brand im Postamt. Mutwillig war dort en brennender Knallkörper in den von außen zugänglichen Holzbriefkasten geworfen worden. Der Schaden konnte durch schnelles und umsichtiges Handeln der Feuerwehr gering gehalten werden. Der Briefkasten wurde durch einen Metallkasten ersetzt.

1982 findet zum zweiten Mal der Kreisfeuerwehrverbandstag auf Baltrum statt. Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung erfolgte durch die Musikzüge der Feuerwehren Rhüden am Harz und Norderney.

Durch eine Anzeige in der Feuerwehr-Zeitschrift konnte ein kleines Tanklöschfahrzeug (TLF), das 1956 für den Katastrophenschutz gebaut wurde und jahrelang beim Behörden-Selbstschutz eingesetzt war, im März 1984 gekauft werden. Die Ortsfeuerwehr Germite (Stadt Höxter) hatte es zur Erweiterung des Fahrzeugparks gekauft, durfte es aber nicht behalten, da es dort Schwierigkeiten mit der Verwaltung gab. Für unsere Wehr bedeutete dieses zusätzliche Fahrzeug eine große Bereicherung. Das bisherige dritte Fahrzeuge wurde an einen privaten Interessenten verkauft. Mit diesem Zwei-Tonner war jeder Punkt auf der Insel erreichbar. Bei einem Geländebrand nahe dem Osterhook konnte mit diesem Fahrzeug das Feuer, das sich ähnlich einem Moorbrand auch unter der Erde ausbreitete, gelöscht werden.

Mit dem 7,5 Tonnen schweren TLF 8/18 war der Brandort wegen des nicht stabilen, morastigen  Untergrund nicht erreichbar, auch eine Anfahrt über den Strand gelang mit vollem Löschwassertank nicht. Allerdings war man auf die Unterstützung eines Radladers angewiesen, um den Erdboden zu öffnen, um dann den Unterflurbrand löschen zu können. Außer der Wendigkeit dieses Sonderfahrzeugs war es auch für liegende Krankentransporte in unwegsamen Gelände geeignet. Nach der Herausnahme einer Schublade mit wasserführenden Armaturen konnte dort eine Krankentrage eingeschoben werden. Der dritte Sitzplatz war so angeordnet, dass von diesem Platz der Patient behelfsmäßig betreut werden konnte. Die leider problematische Ersatzteilbeschaffung führte dann 1989 zur Veräußerung des TLF. 1984 und 1994 erfolgten Prüfungen der Feuerwehr. Vertreter aller zuständigen Behörden und Feuerwehrebenen nahmen daran teil. Es wurde sowohl der organisatorische wie auch der feuerwehrtechnische Teil vollständig geprüft. Es gab keine Beanstandungen. Der Anschluss der Baltrumer Sirenen an die Funkauslösung die Leitstelle erfolgte 1985. Damit begann auch die Einführung der Stillen Alarmierung. Zunächst wurden drei Führungskräfte mit Funkalamierungsempfängern ausgestattet. Der weitere Ausbau erfolgte Gruppenweise bis alle Einsatzkräfte ausgestattet waren.

(IGL 5/6-2000)

Im Unterrichtsraum des Feuerwehrhauses wurden alle Kommunikationsmittel in einem selbstgebauten Funkpult zusammengefasst. Das fördernde Mitglied Gerd Siebels baute aus Holz ein schreibtischgroßes Holzpult und versah es mit den Ausschnitten für den Einbau der beiden UKW-Funkgeräte. Der Verfasser dieses Artikels und der Gemeindebrandmeister Hansjürgen Barow fügten die Geräte ein und bauten auch die beiden Telefone auf das Pult und erledigten die Anschluss-Arbeiten (Foto Comien).

Die Einsatzkräfte werden in zwei Beschaffungsabschnitten mit sicherer Schutzkleidung ausgestattet.

Die Bekleidung ist sowohl für den Übungs-, wie auch für den Einsatzdienst und bei jedem Wetter verwendbar. Die Bekleidung sollte landesweit in allen Feuerwehren vorhanden sein. Die Gesamtkosten der Beschaffung beliefen sich auf etwas über 10 DM.

1986 wurde nach jahrelangen Bemühungen die Jugendabteilung von 15 Mädchen  und Jungen gegründet. (Bilder Ulrike Barow). In Eigenarbeit wurde ein Gruppenraum neben der Werkstatt hergerichtet.

Feuerwehrtechnische Ausbildung, Jugendarbeit und Geselligkeit zur Förderung der Kameradschaft wechselten sich im Alltag der Jugendwehr ab. An dem jährlichen Osterfeuer beteiligten sich die Jugendlichen sowohl bei der Kontrolle der Anlieferung wie bei der Sicherheitswache am Ostersamstag.

Für die Teilnahme an den jährlichen Ausbildungsfahrten der Jugendfeuerwehren gab die Gemeinde immer einen Zuschuss.

Aus dem Überschuss-Fonds des Gewinnsparens der Raiffeisenvolksbanken wird ein Zuschuss zur Anschaffung der Dienst- und Schutzkleidung gezahlt.

Die Leitung der Jugendfeuerwehr liegt zunächst in den Händen von Ulrike Barow und Edzard Meyer.

Der höchste Mitgliederstand wird 1995 mit  7 Jungen und  12 Mädchen erreicht.

Einige von ihnen wechseln nach dem Erreichen des Eintrittsalters in den aktiven Feuerwehrdienst über.

Leider lässt die schlechte Ausbildungs- und Berufssituation es nicht zu, dass alle Interessenten

auf der Inseln bleiben können. Da immer mehr Schüler sehr frühzeitig einen Schulwechsel ans Festland machen, und auch die Anforderungen an die Betreuer der Jugendfeuerwehr stetig steigen, kommt es 19/2000 zur Auflösung.

1987 steht die nächste Wahl der Führungskräfte an. Hansjürgen Barow wird einstimmig für die nächsten sechs Jahre wiedergewählt. Sein bisheriger Stellvertreter wird mit knapper Mehrheit wiedergewählt. Auf Baltrum hat sich 1988 in den Osterferien ein Feuerteufel niedergelassen. Zunächst legt er im Getränkelager am Haus Rolinck ein Feuer. In dem Gebäude ist nachts auch das Pferd, das den Lieferwagen zieht, untergebracht. Ein Feuerewehrkamerad, der direkt von seiner Wohnung zur Brandstelle eilt, um das Tier zu retten, stürzt auf dem Weg, so dass er einige Zeit arbeitsunfähig ist.

Trotzdem wird das Tier gerettet und die Feuerwehr bekämpft das Feuer erfolgreich.

Noch während der Nachlöscharbeiten gib es einen zweiten Feueralarm. Dieser Brand wurde in einem Geräteschuppen gelegt, in dem auch ein Rollstuhl untergebracht war. Auch mit diesem Feuer wird unsere Wehr schnell fertig. Am nächsten Tag kann die Polizei den Brandstifter festnehmen und ans Festland bringen.

Die bisherige Funkversorgung der Inseln Juist, Norderney und Baltrum mit je einem eigenen Kanal im 2-m-Band wird aufgegeben und für alle drei Inseln wird auf dem Norderneyer Wasserturm eine gemeinsame Relaisfunkstelle errichtet. Die Anbindung an den festländischen Feuerwehrfunk erfolgt durch eine Tonruf gesteuerte Relaisverbindung. Die Inselgemeinden müssen nun, soweit noch nicht geschehen, Fahrzeugfunkgeräte für das 2-m-Band anschaffen. Die vorhandenen UKW-Handfunkgeräte werden umgerüstet und dienen nun dem Einsatzstellenfunk.

Unsere Wehr erhält 1991 ein neues Löschgruppenfahrzeug (LF8/6) Kaufpreis 208 TDM. Die Finanzierung erfolgt durch eine, damals noch vom Land Niedersachsen gewährte Sonderbedarfszuweisung. Es ersetzt das LF 8 auf Unimog-Fahrgestell aus dem Jahre 1971. Dieses Fahrzeug wird verkauft und ist im Jahre 2003 bei ebay in der Versteigerung!

Das neue Fahrzeug hat einen 600 ltr. fassenden Wassertank und eine Schnellangriffseinrichtung. Aus Kostengründen wurde ein reines Straßenfahrzeug angeschafft.. Anfang April 1992 kommt es zu einem Schwelbrand in der Gaststätte „Zum Seehund“. Das Ehepaar Flockert, im Dachgeschoss wohnend, wird durch den Brand wach, kann aber über Telefon keine Hilfe holen, da es vom Brand zerstört wurde. So bleibt nur die Möglichkeit ein Fenster zu öffnen und um Hilfe zu rufen. Diese Rufe werden von fast allen Anwohnern gehört und es gehen viele Notrufe bei der Leitstelle ein. Die Rettung des Ehepaares erfolgte durch Leitern, die Nachbarn herbeigeschafft haben. Durch die Umsicht aller Helfer bleiben die Fensterscheiben der Gaststätte unbeschädigt. Eine Sauerstoffzufuhr hätte sehr wahrscheinlich zum Totalschaden des Gebäudes geführt. Das Ablöschen der Brandnester, vor allem hinter der Holzverkleidung nahm die Feuerwehr noch einige Stunden in Anspruch. Allen Beteiligten ist es zu verdanken, das Flockerts ohne gesundheitlichen Schäden (Frau Dr. Althainz war sofort zur Stelle) davonkamen und das Gebäude gerettet werden konnte.

Als nächstes wird die Feuerwehr gerufen, weil ein Kind in einer selbstgebauten Sandhöhle verschüttet war. Das Kind wurde binnen kurzer Zeit gerettet.

Der Gemeindebrandmeister Hansjürgen Barow wird 1993 zum zweiten Mal wiedergewählt. Allerdings kandidiert sein bisheriger Stellvertreter nicht und Edzard Meyer übernimmt diese Funktion.

Eine neue Tragkraftspritze (TS8/8) wurde 1994 angeschafft und ersetzte die Pumpe aus dem Jahre 1954. Die Kosten beliefen sich auf 16.000 DM. Im Frühjahr 1994 wurde eine Großübung an der Pension „Lottmann“ durchgeführt. Zur Unterstützung unserer Wehr wurde eine Löschgruppe der Neßmersieler Feuerwehr mit dem Seenotrettungsboot „Baltrum“ herangeführt. Die Übung klappte ausgezeichnet. Allerdings setzt die festländische Unterstützung eine günstige Tide voraus, dass in der Fahrrinne etwas mehr als ein Meter Wasser vorhanden ist.

Im Sommer des  Jahres 1995 kam es zu einem Dachstuhlbrand im Haus „Sturmwind“. Die Feuerwehr arbeitet hervorragend, der Brand- und Wasserschaden  wird sehr gering gehalten. Das Gebäude wird gerettet. Viele Feuerwehrangehörige sehen zum ersten Mal ein solches Feuer auf Baltrum.

Drei Jahre später kommt es dann zum Brand der Teestube. Ein technischer Defekt ist die Brandursache. Der Nachbar Christian Diercks bemerkt das nächtliche Feuer und rettet Familie Muth, die den Brand  selbst nicht bemerkt hatte. Die Feuerwehr wird alarmiert, kann das Gebäude jedoch nicht retten, so gehen die Bemühungen dahin, die Nachbarschaft zu sichern. Das nahestehende Hotel „Strandhof“ grenzt mit seiner weich gedeckten Veranda fast an das brennende Gebäude. Auf der anderen Seite stehen hohe Bäume, die als Feuerbrücke zum angrenzenden Haus „Hellerhook“ hätten fungieren können. Funken fliegen übrigens bis an den Kiefernwald. Der starke Wind in dieser Nacht ist neben dem Feuer Feind Nr. 2 der Löschmannschaft.

Dieser Brand hat die besondere Wichtigkeit einer gut ausgestatteten Wehr auf der Insel bestätigt. Ebenso wichtig ist die Ausstattung der Gebäude mit Brandmeldern der unterschiedlichsten Bauart. Viele Baltrumer haben nach diesem – hoffentlich – einmaligen Geschehen ihre Gebäude mit Rauchmeldern bestückt.

Letztmalig stellt sich Hansjürgen Barow 1999 zur Wahl als Gemeindebrandmeister. Allerdings nur für zwei Jahre. Nach dieser Zeit soll  ein neuer Gemeindebrandmeister gewählt werden. Zum Stellvertreter wird Alexander Gutbier gewählt. Ende der 90-ziger Jahre hat die Wehr 31 aktive Mitglieder. Wenn weltweit nicht soviel Geld für diesen Jahreswechsel ausgegeben worden wäre , um irgendwelchen undenkbaren Pannen zuvorzukommen, hätte man sicher alle Feuerwehren auf der Welt einen besseren Standart bringen können

 

Auf Baltrum war die Geldverschwendung äußerst gering, nur ein schnurloses Telefon, das im Fall, der Fälle ohnehin nicht funktioniert hätte wurde gekauft aber nicht angeschlossen.

Dann hätten uns unsere alten Feldtelefone und eine kleine Vermittlung besser über die Runden

geholfen.

Gebrannt hat es dann doch noch kurz nach Mitternacht, ein wohl fehlgezündeter Knallkörper setzte eine kleine Freifläche mit Dünengras in Brand. Das Feuer war schnell gelöscht und kurze Zeit erinnerte nicht mal eine „schwarze“ Fläche an das Missgeschick des großen Jahreswechsels.

 

Hiermit wird die Serie „Unsere Feuerwehr“ beendet. Dank sage ich allen, die mir Unterlagen und Fotos überlassen und mich ermutigten diese Serie zu schreiben.     

Dank aber allen denen, die sich bislang für den Brand- und Katastrophenschutz nicht nur mit Worten sondern auch mit Taten und dann oft sogar unter Einsatz ihrer Gesundheit und des Lebens eingesetzt haben. Mut sei denen gemacht, die sich trotz vieler Rückschläge und immer komplizierteren Vorschriften weiterhin im Interesse unser Inseln, der Gäste und der Bewohner für die Sicherheit einsetzen.

 

Quellen:

Tagebücher der Freiwilligen Feuerwehr Baltrum

1937 - 1938, 1948 - 1949 u. 1950 - 1951

Presseberichte im Ostfriesischen Kurier

Auskünfte von Feuerwehrkameraden

Aufzeichnungen des Verfassers

 

Heino Comien

Die Inselglocke Baltrum 1 - 2004