Damm zum Festland oder nach Norderney?

Gerüchte bestätigt

Im April 2004. Schon seit Jahren verstummen die Gerüchte auf Baltrum nicht, daß eine feste Verbindung zum Festland günstiger sei als die Beibehaltung der Fährverbindung, die wegen ihrer Fahrpreise, der eingeschränkten  Anpassung an die Zugverbindungen und der Temperatur der angebotenen Würstchen gelegentlich in der Kritik steht. Nur: jetzt werden bei der Landesregierung in Hannover tatsächlich sehr weitgehende Überlegungen angestellt!

 

So sind im Auftrag des zuständigen Niedersächsischen Umweltministeriums bei einem bekannten Hochschulinstitut umfangreiche Modelluntersuchungen durchgeführt worden, über die der Inselglocke von einem Kurgast und langjährigen Baltrum-Freund (Name ist der Redaktion bekannt) vertrauliche Teilergebnisse mitgeteilt wurden. Die örtlichen Stellen des NLWK (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz) und die Gemeinde Baltrum sind aus Gründen der Geheimhaltung bislang nicht eingeschaltet worden, offenbar, um Unruhe vor Ort und bei den Kurgästen zu vermeiden.

 

Danach sind zwei Varianten in der engeren Wahl: ein Steindamm durch das Watt zum Festland, der im Verlauf des heutigen Wattenhochs (etwa NTB – BRB-Stange – Ostufer des Neßmersieler Hafens) verläuft (Variante A), und als Variante B die große Lösung: ein Damm von Baltrum als Verlängerung der Buhne B nach Norderney.

 

Die Variante A ist technisch relativ leicht zu verwirklichen, würde allerdings wohl auf den erbitterten Widerstand des NTB stoßen, der um die Ruhe auf seinem Gelände fürchten müsste. Da bekannt ist, daß der politische Einfluß des NTB bis in die Hannoversche Staatskanzlei und – seit der Bundestagswahl 1998 - in das Berliner Bundeskanzleramt reicht, dürfte das wohl das Aus für diese Variante bedeuten.

 

Dagegen ist die Variante B (Damm nach Norderney) politisch leichter durchführbar, aber technisch etwas aufwendiger. Da sich durch den Verbindungsdamm zwischen Baltrum und Norderney eine durchgehende Strandlinie vom Norderneyer Westende bis zum Baltrumer Ostende ergibt, würden die bestehenden Baltrumer Buhnen und Deckwerke sämtlich (bis auf die Buhne B, die 1988 erneuert wurde und Bestandteil des neuen Dammes würde) nicht mehr benötigt und könnten abgebaut werden. Deren Material sowie die Befestigung der Start- und Landebahn des Flughafens reicht nach den Berechnungen aus, um die Wichter Ee damit abzusperren und eine zweispurige Straße mit beidseitigem Radweg auf dem Damm anzulegen.

 

Die Fortführung der Straße auf Norderney bis zur Ortslage wäre dann voraussichtlich Aufgabe des Landkreises Aurich, der für die Straßenbenutzung durch Kraftfahrzeuge eine Maut erheben könnte; die Kurtaxpflichtigkeit der durchfahrenden Personen würde sich nach der Norderneyer Kurbeitragsregelung für Tagesgäste ergeben, die derjenigen auf Baltrum ähnelt.

 

Die A.G.Reederei Norden-Frisia, die die Fährverbindung zwischen Norddeich und Norderney betreibt, hat auf Nachfrage bereits erkennen lassen, daß sie für Baltrumer Insulaner einen vergünstigten Sondertarif einrichten würde. Insgesamt ergäben sich für eine vierköpfige Urlauberfamilie mit einem Mittelklassewagen damit Gesamtkosten für eine Überfahrt Norddeich-Norderney-Baltrum und zurück von rund 300 Euro. Die Differenz zum heutigen Preis von 60 Euro müsste wohl von der Landesregierung im Rahmen der Tourismusförderung erstattet werden.

 

Gesamtwirtschaftliche Nutzen-Kosten-Rechnungen zu dem Projekt weisen trotzdem auf starke Vorteile der Variante B hin, da Baltrum dann nach Lösung der Transportprobleme endlich vollständig bis zum Osterhook bebaut werden könnte und auch die Insulaner ihre Besorgungen mit dem Kraftfahrzeug erledigen können. Wann  mit den Damm-Baumaßnahmen begonnen wird, ist noch offen. Vermutlich soll die gerade laufende Grundinstandsetzung der Buhne J noch zu Ende geführt werden, bevor sie wieder abgebaut wird.

 

Es wäre äußerst wünschenswert, wenn vor einer Entscheidung über dieses Jahrhundertprojekt auch die Insulaner und die Inselgäste gehört würden. Die Inselglocke bietet sich als unabhängiges und neutrales Diskussionsforum an und bittet um Stellungnahmen der Leser zu diesem wegweisenden Projekt.

T.K.

Die Inselglocke Baltrum 1 - 2004