Die Alte Pastorei

"Das neue Gemeindehaus" bewegt die Gemüter auf Baltrum.

Am Donnerstag Abend hat die Kirchengemeinde Baltrum zu einer Gemeindeversammlung in die evangelische Kirche eingeladen. Pastorenehepaar Friebe beschrieb die Geschichte zur Errichtung eines Gemeindehauses auf der Insel, die seit zwölf Jahren den Kirchenvorstand mit den jeweiligen Pastorinnen und Pastoren beschäftigte.

1988 hatte die Kirchengemeinde Baltrum das "Haus am Meer" mit Mitteln der Landeskirche gekauft. Seitdem wurden folgende Pläne, von diesem alten Haus zu einem neuen Gemeindehaus zu kommen, entworfen, geprüft und wieder verworfen: Sanierung des "Hauses am Meer" insgesamt, Sanierung von Teilen des "Hauses am Meer" mit einer Vergrößerung des Versammlungsraumes, Abriss des "Hauses am Meer" und Neubau eines Gemeindehauses auf seinem Grundstück, Neubau eines Gemeindehauses auf dem Grundstück südlich der Kirche am Deich und Anbau eines Gemeindehauses nördlich oder südlich an das Alte Pfarrhaus. Der derzeitige Planungsstand ergäbe sich nun aus der finanziellen Lage der Kirche und eines Angebotes des Oberlandeskirchenrates Dr. Elgeti: "Wenn die Gemeinde Baltrum das Haus am Meer verkauft, würde er sich im Landeskirchenamt dafür einsetzen, dass die Landeskirche der Gemeinde Baltrum noch einmal denselben Betrag dazu zur Verfügung stellt. Bedingung: Das Alte Pfarrhaus ist abzureißen und an seiner Stelle das neue Gemeindehaus zu errichten. Derzeit liegt das bestbietende Angebot bei DM 650.000,-. Der Kirchenkreis (nicht Landkreis) würde dieses Unternehmen mit DM 350.000,- unterstützen", so steht es in einem Papier der Kirchengemeinde. Weiter heißt es dort: "Die Landeskirche kann einer Zwergengemeinde, wie Baltrum sie mit 338 Mitgliedern heute ist, die Unterstützung von vier Häusern nicht mehr genehmigen. Das größte Problem sind dabei die Folgekosten.(...) Das Alte Pfarrhaus in ein Gemeindehaus zu verwandeln ist nicht möglich. Es zu erhalten ist eine finanzielle Belastung, die zur Zeit niemand tragen kann. Die Landeskirche ist nach erneuter Nachfrage aber bereit, über Alternativen zu sprechen, sofern deren Finanzierung nicht einseitig zu ihren Lasten geht. Die Kirchengemeinde Baltrum ist nicht in der Lage, aus ihrem schmalen Haushalt ein zusätzliches Haus zu unterhalten, geschweige denn, größere Reparaturen zu bezahlen."

Pastorin Friebe wies ausdrücklich darauf hin, dass Baltrum ein Gemeindehaus dringend benötigte, nicht nur für die Insulaner, sondern vor allem für die Gäste, von denen sie schließlich lebten. Eine Alternative ohne den Abriss des Alten Pfarrhauses gäbe es nur dann, wenn die politische Gemeinde oder eine andere Initiative bereit wäre, Geld zuzuschießen.

Dem Vorschlag der politischen Gemeinde, das neue Gemeindehaus auf der Grünfläche am Deich zu errichten, setzte der Kirchenvorstand entgegen, dass man sich genau darum im Jahre 1997 bemüht hätte, ohne eine Antwort der Gemeinde (also Zustimmung zur Änderung des Bebauungsplanes an dieser Stelle) bekommen zu haben. Daraufhin hätte man den neuen Plan erarbeitet. Ratsherr Wilhelm Klünder betonte, dass eine Diskussion sehr wohl möglich wäre und man eine Arbeitsgruppe gründen sollte, um bis zum Herbst diese Fragen zu erörtern. Er unterstrich, dass die Alte Pastorei nicht abgerissen werden sollte, weil es sich um eines der wenigen letzten historische Gebäude auf der Insel handele und das Gebiet um die Kirche einen harmonischen Anblick biete.

Die Kirchengemeinde machte ihren Entschluss deutlich, das neue Gemeindehaus an die Stelle der Alten Pastorei zu errichten. Man hätte diese Diskussionen schon seit Jahren geführt und könne nicht immer wieder von vorne anfangen.

Die Inselglocke Baltrum 2-2000