Baltrum-Buch

Bilder der Stille.

Am 30. Mai wurde im Lesesaal des Baltrumer Rathauses ein neues Baltrum-Buch vorgestellt: Bilder der Stille. Kontemplative Schwarz-Weiß-Impressionen von der Nordseeküste.

Von April bis Oktober vergangenen Jahres hatte eine Ausstellung großformatiger Schwarz-Weiß-Bilder des Fotografen Michael Friedel in der Baltrumer Balje großen Anklang gefunden. Es waren damals ungefähr 4000 Gäste zu ihm gekommen. Er hatte viel Lob und Zuspruch erfahren und so entschied er sich, aus seinen Kunstwerken einen Bildband zu erstellen.

Zwischen 1997 und 1999 hat er oft seinen Urlaub auf der Insel verbracht und so nach und nach fünf Alben mit Baltrum-Fotos gefüllt. Das Fotografieren liegt in seiner Familie – die Eltern hatten ein Fotoatelier, die Schwester ist Fotografin in Österreich – und so ist es nicht verwunderlich, dass seine Fotografien etwas Besonderes sind. Besonders nicht nur, weil Schwarz-Weiß-Bilder heute ein selten gewordener Anblick sind, sondern auch, weil er versteht, die Stimmung, die Atmosphäre und den Augenblick einzufangen. Die kleinen Wunder der Schöpfung Gottes wolle er festhalten, sagt Friedel. Kein Ort wäre dazu besser geeignet als die kleine Insel. Man fühle sich mit allem sogleich verbunden und stimme ein in ein unwillkürliches Gotteslob.

Die Bilder mit seinen schönsten Motiven - besser „Kompositionen“ - des 85 Seiten starken Bandes werden textlich begleitet: Psalmen, ein Gedicht des Großvaters, eines befreundeten Pianisten, Franz Schuberts und seiner selbst. Sie laden beim Betrachten der wunderschönen Aufnahmen ein, sich in Wort und Werk Gottes zu versenken. Und dies bedeute denn auch „kontemplativ“. Innehalten, zu sich selbst finden, sich auf die Werte des Lebens besinnen. Dies wünschte auch Bürgermeister Günter Tjards den Lesern des Buches bei der Begrüßung im Lesesaal.

Die Fotos sind geeignet, den Blick zu öffnen für die kleinen Schönheiten der Schöpfung. Der Band beinhaltet Bilder, wie sie nur an der Nordsee zu sehen sind: Spuren im Sand von Mensch und Wind und Wellen, sturmflutgekämmtes Dünengras, Wolkenbilder im Wind, verloren gegangene Federn, Muschelschalen, Vogelspuren als Zeugnisse von Leben, Zeichnungen von Regentropfen, und immer wieder Sand, gespült, geweht, geströmt, geprielt, immer Wasser, schaumgekrönt und lichtgespielt, immer Strahlen in Überraschung, in Schattenspiel, in Gegenlicht, im Wasserspiegel, konkret und abstrakt, und einfach wunderschön.

Er habe ein Loblied auf die Insel anstimmen mögen, sagte Friedel. Im vergangenen Jahr hatte er seine Ausstellung wie eine Predigt aufgebaut und die Gäste hätten ihm zugestimmt: „Ja, das ist es. Das haben wir hier gesehen!“

So lädt dieser Band ebenso wie jedes einzelne Foto ein, innezuhalten, öfters nachzuschauen, sich zu versenken, sich an den kleinen Wundern zu erfreuen und das Werk auf sich wirken zu lassen.

Das Buch ist beim Soltau-Kurier Norden erschienen und kostet 22,80 Euro (ISBN 3-928 327-59-3).

Die Inselglocke Baltrum 2-2002