Flora

Die Baltrumer Weideflächen

Aspekte des Naturschutzes auf Baltrum am Beispiel der Beweidung von Hellerflächen durch Pferde werden jetzt auf der Insel erforscht. Unter der Fragestellung, ob sich Pferdekoppeln mit dem Nationalparkgedanken vertragen, startete eine Untersuchung durch die Universität Hannover. Im Rahmen einer floristisch-ökophysiologischen Exkursion, die Mitte Mai stattfand, wurde vom Institut für Botanik unter der Leitung von Dr. Sabine Aboling und Dr. Bernd Huchzermeyer ein Dauerversuch initialisiert, der zunächst fünf Jahre laufen soll und eventuell auf zehn Jahre ausgedehnt werden kann. Es wurden standortbezogene Kartierungen vorgenommen und Daueruntersuchungsflächen an der Grenze von Brachland und beweidetem Gelände angelegt.

 

In einer Gesprächsrunde im Nordseehaus wurde das Projekt vorgestellt. Die beiden Vorsitzenden des Baltrumer Weidevereins, Petra Sparenborg und Heinz Seiffart, der Vertreter der Baltrumer Jägerschaft und Nationalpark-Wart Hermann Wietjes, der stellvertretende Hausleiter des Nationalparkhauses Baltrum und Naturpädagoge Torsten Moschner und Anne Siegel von der Nationalpark-Wacht Norderney erörterten zusammen mit den Projektleitern und anwesenden Studenten der Exkursion die Leitfragen des Projektes: Gibt es Vor- und Nachteile der Pferdebeweidung im Nationalpark? Wird der Schutzzweck (§2) des Nationalparkgesetzes durch die Beweidung erfüllt? Ist der Fortbestand natürlicher Abläufe gewährleistet, wird die Artenvielfalt erhalten, bleibt ein günstiger Erhaltungszustand der Salzwiesen garantiert? Wie kann das Forschungsprojekt zur konsensfähigen Lösung der Probleme beitragen?

 

Die Vertreter des Weidevereins wiesen besonders auf die wirtschaftliche Notwendigkeit der Beweidung der Hellerwiesen für die Insel hin. Alternative wäre die Einführung von Elektro-Karren auf der autofreien Insel. Bis 1956 waren die Hellerwiesen bis in den Osten auch von Kühen beweidet worden. Heute bekommen die Pferde in den drei ausgewiesenen Weiden (West-, Mittel, Ost-Weide) nur ihren „Nachtisch“, das Kraftfutter gibt es zuhause. Im Winter gibt es maximal 40 Pferde auf der Weide, im Winter höchstens acht. Die Erfahrung lehrt, dass die beweideten Flächen wesentlich fester sind als die unbeweideten. Ob die Pferde deshalb mit zum Küstenschutz beitragen, kann so nicht mit Sicherheit gesagt werden, die Abbrüche auf den unbeweideten Flächen sind auch nicht stärker. Seitens der Nationalparkverwaltung sieht man jedoch keine Probleme mit der Pferdehaltung. Die Pferdehaltung ist im Gesetz festgeschrieben. Für die Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren ergibt sich ein positiver Effekt: Auf den Weideflächen gibt es z.B. heute Vögel, die nur im niedrigen Gras brüten. Anne Siegel aus Norderney stellte fest, dass es eine Frage des Managements sei, wie Artenvielfalt an Pflanzen, Vogelkolonien und Beweidung miteinander harmonierten.

 

Es wurde abschließend festgestellt, dass der Nationalpark ein Biosphärenreservat sei, ein Bereich also, in dem das Zusammenleben von Mensch und Natur „erprobt“ würde. Dazu gehöre der Tourismus ebenso wie die Beweidung von Salzwiesen als auch das Überlassen einiger Flächen der Natur.

Bei der Untersuchung der Artenzahlen an den verschiedenen Standorten wurden bereits Schwerpunkte festgestellt im Unterschied von Weide und Brache. Deren Veränderung über die Jahre zu dokumentieren ist nun Aufgabe des Forschungsprojektes, das durch EU-Gelder finanziert werden soll.

 

Sabine Hinrichs

Die Inselglocke Baltrum 3-2002