Trutz Blanke Hans 

Strandschutzwerke auf Baltrum II  

Dass die fortwährenden Strand- und Dünenverluste auf den Inseln im Bereich der Westköpfe nicht nur durch Sandflug bei östlichen Winden und Sandfangzäunen auszugleichen war, und dass die sich stark verbreiternde Wichter Ee eine große Gefahr für das Dorf Baltrum bedeutete, war den Verantwortlichen klar. So mussten Beamte der Regierung in Aurich 1872 Pläne für ein halbmassives Dünenschutzwerk und einige Buhnen zum dauerhaften Schutz des Westdorfes erstellen. 

Die ersten beiden geplanten Buhnen sollten jeweils eine Länge von 170 m und das Dünenschutzwerk eine Gesamtlänge von 450 m haben. Die Buhnen waren in Kastenbauweise vorgesehen und sollten jeweils aus vier Eichenholz-Pfahlreihen bestehen. Zwischen diese Pfähle sollten Faschinenpackungen, Reisiggeflecht zur Befestigung, eingebracht und mit starkem Draht verzurrt werden. Die Packungen sollten dann mit schweren Steinen belegt werden. Das Dünenschutzwerk war in ähnlicher Weise geplant. 

Als erste wurde die Buhne A gebaut. Sie konnte zunächst nur in einer Länge von 138 m gebaut werden - die schlechten Strandverhältnisse ließen die für das Jahr 1873 geplante Baumaßnahme nicht zu. Eine winterliche Sturmflut zerstörte die erste Buhne weitgehend. Im folgenden Jahr wurden die Buhnen B und C in einer Länge von 165 bzw. 135 nach dem Vorbild der Buhne A gebaut. Das Dünenschutzwerk erreichte in diesem Bereich eine Länge von 340 m. Das den Buhnen ähnliche Bauwerk erhielt landseitig eine Klei-Abdeckung. 

Die Buhne A wurde dann südlich des ursprünglichen Standortes in einer Länge von 135 m neu gebaut und das Dünenschutzwerk im selben Jahr um 200 m verlängert. Es umfasste jetzt den Bereich der Buhnen A bis C. Die herannahende Wichter Ee erforderte schon 1876 die kranzartige Verbreiterung der Buhnenköpfe. Zur Sicherung wurden weitere Senkfaschinen notwendig. Die Buhne D wurde dann in einer Länge von 225 m gebaut. Die weitere Strandabnahme erforderte recht schnell den Bau von kürzeren Zwischenbuhnen. An der Nordseite entstand die Buhne E mit einer Länge von 171 m. Das Dünenschutzwerk war durch Sturmfluten stark beschädigt worden und musste 1878/79 instandgesetzt werden. Die Köpfe der Buhnen A bis D wurden in dieser Zeit auch wieder verstärkt. Eine zweite Berme musste an den Buhnen A und B gebaut werden, weil der Bestand durch die enorme Abnahme des Strandes gefährdet war. Da trotz aller Sicherungsarbeiten für die Buhnen die Gefahr des Umkippens bestand, bekamen die Buhnen später weitere Bermen und wurden somit erheblich verbreitert. Im Jahre 1880 wurde die Zwischenbuhne DI gebaut - der Westkopf war nach Auffassung der Fachleute gesichert. (Abb 1, Karte: Land Niedersachsen - Wasserwirtschaftsverwaltung - Sturmflutschutz für die Insel Baltrum, Bauamt für Küstenschutz Norden, 1986) 

Aber schon im darauffolgenden Frühjahr wurde an die Stelle des stark beschädigten halbmassiven Schutzwerkes ein Pfahlschutzwerk nach Spiekerooger Vorbild gebaut. Diese Schutzwerk bestand aus einem seeseitig schrägen, massiven Mauersockel, der 1,5 bis 2,0 m über dem MThw herausragte. In den Mauersockel waren Palisaden eingelassen, die landwärts durch einen schrägen Holzverbau gesichert waren. Die Kieferpfähle hatten eine Gesamthöhe von 6,25 m und ragten 2,25 m aus dem Grund. Der seeseitige Fuß des Schutzwerkes war durch hölzerne Spundbohlen gesichert, die eine Einbindungstiefe von ca 4 m unter dem MThw hatten. Die schräge Berme war durch die Pfahlreihen gesichert. Der Kern des Bauwerkes bestand aus Sand. Die Aussenhaut bestand aus in Magerbeton eingelassene große Steinquader. Die landseitige Einbindung erfolgte in einer Tiefe von 1,5 m über MThw. Das dahinterliegende Gelände wurde bis zur Oberkante des Mauersockels aufgefüllt. (Abb. 2: Dünenschutzwerk, Querschnitt: Bauamt für Küstenschutz Norden, 1986), (Foto Pfahlschutzwerk: Fa. Appelkamp, Dornum) 

Dieses Schutzwerk, das im ersten Bauabschnitt den Bereich der Buhnen D bis B umfasste, wurde Zug um Zug verlängert. Schon drei Jahre später wurde es jedoch stark beschädigt: wegen der starken Strand- und Dünenverluste - bei Buhne E ging die Dünenkette in einer Tiefe von fast 30 m verloren! Der stark gefährdete Nordwesten wurde durch die Verlängerung des Bauwerkes um 300 m im Jahre 1884 geschützt, die Buhnen F und G wurden in einer Länge von jeweils 170 m gebaut. 

Die Buhnenköpfe wurden durch die starke Strömung der Wichter Ee immer wieder beschädigt und wurden deshalb mit Faschinen und Steinen gefüllten alten Schiffsgefäßen gesichert. Diese waren ca 16 m lang und fast 4m breit. 

Im Oktober 1884 kam es östlich der Buhne G zu einem erheblichen Dünenabbruch, der die Verlängerung des Schutzwerkes um 800 m erforderlich machte. Diese Baumaßnahme und der Bau der Buhnen H, J und K erfolgte in den Jahren 1885/86. 

Aber auch an der Südwest-Seite kam der Strand nicht zur Ruhe. Die Besorgnis erregende Strandabnahme machte die Verlängerung des Pfahllängswerkes um 450 m in den Jahren 1887/88 samt dem Bau zweier neuer Buhnen, L und M erforderlich. Des Weiteren war die Verlängerung am Nordstrand vorgesehen. Hier war als nördlichste Buhne die Buhne N geplant. Allerdings störte die seit 1886 in Bewegung befindliche Sandbank dieses Vorhaben: Durch die Anlandung bei Buhne K und der Prilbildung kam es zu einem erheblichen Strandabbruch, der dann den Bau des Schutzwerkes nur in einer Länge von 79 m zuließ, also 71 m kürzer, als geplant. Nachdem später die angelandete Plate die Situation am Nordstrand erheblich verbessert hatte, konnte auf die weitere Verlängerung zunächst einmal verzichtet werden. 

Bis zur Jahrhundertwende waren 14 Buhnen und das 1780 m lange Dünenschutzwerk fertiggestellt. 

Leider ist über die Errichtung des Baubüros und des Bauhofes nicht viel bekannt. Auch die Namen der Bauaufseher und deren Dienstzeit auf Baltrum sind nur spärlich überliefert. Fest steht, dass Bernhard P. Fechler im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts hier Bautechniker war. 

Die Baukosten beliefen sich bis dahin auf 2,5 Millionen Reichsmark. 

Die erste Baumaßnahme im Zwanzigsten Jahrhundert war der Bau der Zwischenbuhne CI. Dieser war notwendig geworden, als im Buhnenfeld erhebliche Strandabspülungen zu bemerken waren. Trotz der wehrhaften Buhnen, die den starken Strömungen standhielten, kam es weiterhin zu gefährlichen Strandabnahmen, so dass das Schutzwerk ab 1903 stellenweise seeseitig frei lag. Weil bei erhöhten Wasserständen immer wieder Wassermassen durch die Pfahlschutzwand drang, kam es dahinter durch die Strömungen und Wirbel zu Abbrüchen an den 20 m zurück liegenden Dünen. 

Zwischen den Buhnen H und J musste 1905/06 ein Busch-Wall in einer Breite von 3 m und einer Höhe von 2m gesetzt werden. Der Wall stand 3 m über MThw. Er hat der See nicht lange standgehalten: Im Ersten Weltkrieg wurde er durch eine Sturmflut vollkommen zerstört. Auch Querbauten konnten empfindliche Dünenabbrüche in diesem Bereich nicht verhindern. Ein sehr tiefer Einbruch bei Buhne G machte den Bau eines Sanddeiches zum Schutze des Westdorfes notwendig. Dabei wurden Kriegsgefangene eingesetzt. Aber bereits im darauffolgenden Winter wurde dieser Deich, der nur mit Strandhafer bepflanzt war, völlig zerstört. Schon im Frühjahr wurde eine neuer Sanddeich, dieses Mal mit einem Grassodenbelag, 60 m südlich des ersten Deiches aufgeschüttet. 

Auch das Pfahlschutzwerk hat über die Jahre schwere Schäden davon getragen, bevor es 1919 ganz zerstört wurde. Der Sanddeich konnte nun, da er ohne Wellenbrecher der Brandung ausgesetzt war, keinen Schutz mehr bieten. (Foto Strand: Fa. Appelkamp, Dornum) 

Dieses Bauwerk, das so vielen Beanspruchungen ausgesetzt ist, hat sich erst in der modernen Bauweise, auf die im nächsten Kapitel eingegangen wird, bewährt. Das frühere Strandschutzwerk lag 60 m nördlich der heutigen Strandmauer. An den unterschiedlichen Bauweisen der Buhnen, den Verlängerungen zur Insel hin, kann man das heute noch erkennen. Neben einigen Fotos, die es noch gibt, erinnern Reste dieses ersten massiven Schutzwerkes daran, die alle 10 bis 20 Jahre westlich des Badestrandes freigespült werden und je nach Tiefe des Strandes auch Busch- und Pfahlreste der damaligen Einbindungen in die Randdüne freigeben. 

Heino Comien 

Die Inselglocke Baltrum 3-1997

Die Inselglocke Baltrum