Agenda21 

Runder Tisch auf Baltrum 14.08.2000
Pro Nationalpark Baltrum

Der dritte Runde Tisch der Agenda 21 Baltrum tagte am Montag Abend in der Schule. Es wurden neue Projekte aus den Arbeitskreisen Tourismus und Energie vorgestellt. Man wolle die Zertifizierung umweltfreundlicher Betriebe forcieren und die Beteiligung stärken, indem versucht werden könnte, finanzielle Anreize zu schaffen, erläuterte Jann Bengen (Arbeitskreis Tourismus). Peter Janßen (Energie) hat mit Unterstützung der Gemeinde Baltrum und mit Bingo-Lotto ein Projekt zur Errichtung einer Modellsolaranlage für die Baltrumer Schule angekurbelt.
Die Bürgerinitiative "Pro Nationalpark Baltrum" stellte den wichtigsten Diskussionspunkt des Abends. Die Initiative um Jürgen Janßen, Torsten Moschner, Horst Unger und Hermann Wietjes hat sich gegründet, als der Beschluss des Baltrumer Gemeinderates bekannt wurde, den Inselkörper ganz aus dem Nationalpark herauszuklagen zu wollen und damit noch einen Schritt weiter zu gehen als die anderen Ostfriesischen Inseln mit ihrer fristgerechten Einreichung der Klage gegen die Novellierung des Nationalparkgesetzes. Hermann Wietjes erläuterte die Vorgehensweise der Bürgerinitiative, die in den letzten Wochen die Diskussion um das Thema in die Öffentlichkeit getragen hat, indem sie einen Fragebogen bzw. eine Unterschriftenaktion pro/contra ausgearbeitet hat.
Jürgen Janßen stellte fest, dass für solch ein brisantes Thema die Bürger im Vorfeld hätten einbezogen werden müssen, um eine breite Basis in der Meinungsbildung und Information zu bekommen. Größere Zusammenhänge oder die internationale Bedeutung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer seien oft nicht bekannt oder würden hinter den diffusen Ängste der Skeptiker verschwinden, hieß es. Das Umweltministerium habe sich bislang in den Verhandlungen sehr kooperationsbereit gezeigt, und man hätte auch auf Baltrum schon viel "herausgeholt" und daher wenige Einschränkungen zu befürchten. Man werde mit der Klage niemals durchkommen, meinte Ratsmitglied Wilhelm Klünder (SPD), der gegen den Mehrheitsbeschluss des Rates steht. Natürlich könne man nicht damit rechnen, dass alle Wünsche in Erfüllung gingen. Aber der Landtag werde bestimmt nicht den Maximalforderungen der Fundamentalisten unter den Naturschützern Rechnung tragen, sondern begründeten Kompromissen zustimmen.
Ganz wichtig erschien es der Bürgerinitiative auch, die Gäste der Insel mit in die Meinungsbildung einzubeziehen. Diese empfänden sehr bewusst die intakte Natur als das Entscheidungskriterium für ihren Urlaub auf der Insel. Einschränkungen durch den Nationalpark z.B. durch die Wegeführung hätten die Touristenströme nicht eingedämmt. Im Gegenteil, durch die Einrichtung des Nationalparks konnte die Natur den Gästen sehr nahe gebracht werden. Die Ressource Natur werde künftig durch touristische Lehrpfade noch mehr gefördert werden.
Konsens der Diskussionsrunde war, dass man künftige Entscheidungen nicht nur den Insulanern überlassen dürfe. Dies sei das Hauptargument nämlich für die Herausnahme der Insel aus dem Nationalpark: Dass die Insulaner sich scheibchenweise in ihren Rechten und in ihrer Selbständigkeit beschnitten sähen. Regeln für die künftige Entwicklung der Insel hinsichtlich der Nachhaltigkeit ihrer Bewirtschaftung und ihrer Natur müssten von übergeordneten Stellen festgelegt werden. Eine gute Basis sei geschaffen worden durch die Kompromisse, die man bislang ausgehandelt hätte.
Die Umfrage hatte ergeben, dass die überwiegende Mehrheit der Unterzeichner sich für den Erhalt des Nationalparks auf der Insel ausgesprochen hätte, so das Ergebnis der vorläufigen Auswertung. Viele Insulaner hätten sich der Stimme enthalten. Jedoch hätten viele angefangen umzudenken, seitdem die Diskussion um den Nationalpark in der Öffentlichkeit verstärkt worden war.

Sabine Hinrichs

Die Inselglocke Baltrum 5-2000

Die Inselglocke Baltrum