Leserbrief

Kirche - Gemeindehaus - Pfarrhaus

"Der Inselglocke Nr. 2/2000 entnahm ich als langjähriger Baltrumgast den Bericht über das neue Gemeindehaus auf der Insel bei meinem diesjährigen Urlaub im Juli.

Hierzu gestatte ich mir einige Anmerkungen, die hoffentlich bei den Ratsmitgliedern, die sich gegen den Abriss des Hauses aussprechen, Anlass geben, zum nochmaligen Überdenken der Situation.

Sicherlich, könnte man meinen, spricht doch Einiges für den Erhalt eines "historischen Pfarrhauses". Wer sich das haus jedoch näher betrachtet, erkennt sofort den absolut baufälligen Zustand des Gebäudes. Fakt ist jedoch auch, dass zum Glück auf der Insel noch mehrere gut erhaltene Insulanerhäuser vorhanden sind. Und weiterhin ist auch nicht zu verleugnen, dass andere Häuser ebenfalls vor Jahren auf der Insel abgerissen werden konnten, damit private Investoren neue Häuser bzw. Ferienwohnungen bauen durften.

Das alte Insulanerhaus, welches in seinem jetzigen Zustand keine Wohnqualitäten mehr bietet, steht auch nicht unter Denkmalschutz. Deshalb gilt doch wohl für die Ev. Kirchengemeinde Baltrum der gleiche Grundsatz wie für die anderen privaten Investoren auch.

Den Ratsmitgliedern, die von "Erpressung seitens der Landeskirche" sprechen, möchte ich entgegnen, dass dieses keine Erpressung darstellt, sonder ein absolut nachvollziehbarer Schritt für eine vernünftige Finanzierung des anstehenden Bauvorhabens der EV. Kirchengemeinde Baltrum.

Gleichzeitig geht hier die Landeskirche verantwortungsvoll mit Steuergeldern um, was man von vielen Kommunen leider nicht behaupten kann.

In unserem Kirchenkreis mit Sitz in 51645 Gummersbach würden Kirchengemeinden von Mitteln in der für die Ev. Kirchengemeinde Baltrum (338 Gemeindemitglieder) vorgesehenen Höhe nur träumen.

Gerade die "Ratskollegen" des Baltrumer Gemeinderates müssten einen Mittelfluss von 1,0 Millionen DM doch zu schätzen wissen. Hinzu kommen die Verkaufserlöse des "Hauses am Meer" von DM 650.000,00. Trägt die Einrichtung eines neuen Gemeindehauses doch zur Bereicherung der Inselgäste bei. Der Ev. Kirchengemeinde Baltrum per Ratsbeschluss diesen Schritt zu verbauen halte ich als "Politiker" unserer Stadt Wiehl und als langjähriger Baltrumgast für unverantwortlich.

Hier wird von der Kommunalgemeinde ein nicht gerechtfertigter Druck auf die Ev. Kirchengemeinde Baltrum ausgeübt.

Wir in der Stadt Wiehl praktizieren ein gutes Miteinander und nicht Gegeneinander mit allen am Ort vertretenen Glaubensgemeinschaften.

So wird in der Stadt Wiehl ein zusätzlicher Jugendtreff, der von allen am Ort beheimateten Kirchengemeinden getragen wird auch durch städtische Mittel in nicht unerheblicher Höhe mitfinanziert.

Durch dieses Miteinander profitieren alle im o.a. Projekt, vor allem hier die Jugendlichen davon. Deshalb zum Schluss mein Appell bei Ihrem Gespräch mit der Ev. Kirchengemeinde, die einmalige Chance des Mittelflusses zur Errichtung des neuen Gemeindehauses an geeigneter Stelle nicht zu verbauen.

Für Baltrum wäre ein neues Gemeindehaus von Vorteil, gerade an dieser Stelle eine geschlossene Einheit für die Ev. Kirchengemeinde Baltrum (Kirche - Gemeindehaus - Pfarrhaus)."

Ralf-Herbert Puhl, Wiehl

Die Inselglocke Baltrum 4-2000