Faustball

 

Inselgeschichte

Baltrum - ab sofort der Inbegriff von Faustball, Sonne, Strand und Meer.

Die Beachspiele vom 28.05. - 01.06.2003 vermittelten allen über 500 Beteiligten ein ganz besonderes Faustball-Feeling. Fünf tolle Tage erlebten wir mit insgesamt acht Faustballfreaks vom TSV Bardowick. Mit dabei waren: Carsten Gabriel, Florian Höfels, Lasse Oldenbostel, die drei Schamlotts Dennis, Joshi und Marc, Karin Prigge und meine Wenigkeit. Zugegeben, eine verhältnismäßig kleine Truppe, aber eine, mit der es viel Spaß gemacht hat und die einheitlich der Meinung ist: Da müssen wir auf jeden Fall wieder hin, wenn in zwei Jahren wieder das Feuerwerk der guten Laune bei den Beachspielen auf Baltrum gezündet wird!

Yippie, da kann man sich schon jetzt drauf freuen!!!  Aber zunächst die Beachspiele 2003, wie war’s? Was haben wir erlebt? Nun - es war so...

 

Ich fang am besten von vorne an. Also am Mittwoch. Genau! Am Mittwoch ging’s los. Direkter Tag vor Himmelfahrt. Und das sollte später auch schon das erste Problem werden, aber nur ein kleines. Denn man braucht kein großer Prophet zu sein, um mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit vorhersagen zu können, dass nämlich genau an diesem Tag die Straßen und besonders die Autobahnen relativ voll sind, und noch besonderer eine relativ große Stadt wie Hamburg. Logische Folge: relativ viele Staus. Aber bevor wir uns dort einreihten - Treffpunkt wie immer: Parkplatz an der Sporthalle. 16.00 Uhr. Alle da. Alles ist gut. Die Stimmung ist blendend. Die Sonne auch. Und die Frisur sitzt. O.K. Was jetzt noch fehlte, waren unsere Faustballfreunde vom SV Göhrde. Peter Horn und sein Trupp hat sich bereit erklärt, einige von uns mitzunehmen. Denn mit meinem bescheidenen Golf wär’s auf die Dauer dann doch ein wenig eng geworden. - Ein paar Minuten... und da fuhren sie auch schon in die Zielgerade ein mit ihrem großen Kleinbus. Alles perfekt soweit. Aber Göhrde ist nur mit drei Leuten an Bord, es fehlte jemand.

Mareike sollte doch vom Lüneburger Bahnhof abgeholt werden. O-Oh! Der Zug fuhr nicht, sie steckte noch in Hamburg fest und wollte den nächsten “Eil“-Zug nach Winsen nehmen, sodass wir Ihr zwischenzeitlich auf halben Weg entgegeneilen könnten. Gesagt, getan. Sattelt die Pferde, Cowboys!!! Es wartet ein Schiff auf uns! Also, los ging’s im Zweier-Konvoi auf direktem Wege nach Winsen. Ohne nennenswerte Umwege steuerten wir Hauptbahnhof Winsen an. Kurz links angetäuscht und dann doch auf den rechten Parkstreifen gehalten, sprang Peter auch schon  routiniert heraus, eilte zu uns und klärte über die neuesten Ereignisse auf. Mareike stand immer noch mitten in Hamburg. Der Zug fuhr nicht. Die berühmt berüchtigte Störung auf dem Gleiskörper schien wohl wieder mal zugeschlagen zu haben. In diesem Falle zahlte sich die tragbare Fernsprechanlage - manche sagen auch Handy - tatsächlich mal aus. Wir hätten uns am Bahnhof ja dumm und dusselig gewartet. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen folgte sodann auf dem Fuße: Der Golf machte sich als Vorhut schon mal auf den Weg nach Neßmersiel, während dem Göhrder Bus wohl nichts anderes übrig blieb, sich durch den verkehrsreichen Großstadtdschungel zu kämpfen. Es trennten sich somit vorerst unsere Wege. Der unsrige führte uns

geradewegs nach Neßmersiel. Hier mal ein Stau, dort mal Stop-and-Go, ein anderes Mal ging’s mit atemberaubenden 100 Sachen vorwärts. So mogelten wir uns schließlich immer weiter ins platte Ostfriesland. Und wie platt das dort ist. Man hat immer das Gefühl: gleich kommt das Meer. Gleich kommt das Meer. Es kann nicht meer weit sein. Aber in Ostfriesland ist es einfach überall und von Natur aus schon so flach wie die Witze, die über die dort lebenden Ureinwohner ungerechterweise gemacht werden. Eins muss ich noch sagen: Fortschrittlich sind sie ja, diese Ostfriesen. Sehr besorgt um ihre Bewohner und Touristen. Sie setzen dort eine fantastische Idee konsequent um: Überall wimmelt es von riesigen Ventilatoren, die bei solch heißen Tagen wie diesem für ordentlich kühlen Wind sorgten. Die waren doch tatsächlich alle eingeschaltet und haben für ein bisschen Erfrischung gesorgt. Es war aber auch heiß! Liebe Ostfriesen, das ist ja nett gemeint, aber was muss das an Strom kosten. Ist ja der Wahnsinn!!!

Dass wir um Oldenburg rum leichte Probleme mit der Orientierung hatten und wir ab Aurich alles andere als den kürzesten Weg nach Neßmersiel gefahren sind und wohl schon fast in Amsterdam waren, weil unser manuelles Satellitennavigationssystem bzw. unsere Karten- und Spurenleser auf der Rückbank nicht ihren besten Tag hatten, will ich hier gar nicht groß erwähnen und lass ich daher mal weg. Spielt nämlich auch überhaupt keine Rolle. Denn unser zweites Fahrzeug war ja ebenfalls noch denkbar weit entfernt

von einer pünktlichen Ankunft am Hafen. Und ohne die anderen wären wir auch nicht an Bord gegangen. Zwischenzeitlich gaben wir Arnold von der Pütten - dem Cheforganisator der Beachspiele - erst mal Bescheid und fanden uns bereits damit ab, dass wir die erste Nacht im Auto bzw. im provisorischen Zeltlager verbringen mussten. Aber es sollte sehr viel besser kommen. Arnold setzte kurzerhand sämtliche Hebel in Bewegung und schickte das Speedboat der Reederei nach Neßmersiel vorbei und die 12-köpfige Delegation aus dem Landkreis Lüneburg bekam damit eine dicke, fette Extrawurst gebraten. 

Es waren bereits alle am Hafen angekommen, die Taschen standen an der Kaimauer bereit und warteten auf die weitere Verladung. Ursprünglich erwarteten wir einen kleinen Kutter oder ein Motorboot der Marke Ist-besser-als-nix und rechneten schon damit, alle Mann wie auf einer römischen Galeere selbst rudern zu müssen. Aber weit gefehlt. Von weitem tönte er bereits, der Ferrari unter allen Nordseefähren und der nur für Notfälle oder eben für Extrawurst-Genießer, wie wir es waren, eingesetzt wird. Mit schwungvoller Drehung legte das ca. 20 m lange Mega-Hyper-Boat an. Kapitän Jens Jensen (oder so ähnlich) war vermutlich ein klitzekleines bisschen genervt, denn er hatte es eilig, fackelte nicht lange. Nahm Gepäck, Kind und Kegel entgegen. Alle Leichtmatrosen an B O R D!!! Wir legen ab. Schiff ahoi, der Berg ruft!!! Leinen los!!! Kurze Schleichfahrt aus dem Hafenbecken und dann hieß es festhalten: Jensen legte den Gashebel um auf “Volle Power“!. Der Diesel dröhnte und die 1000 PS katapultierten unser Hyperboot auf geschätzte Lichtgeschwindigkeit. Der warme Fahrtwind wehte uns um die Ohren, während wir den Sonnenuntergang einzuholen versuchten. Traumhaft, diese Kulisse: vor uns die glutrote Sonne, die den Abendhimmel mit ihren letzten Strahlen spielerisch in ein rotes Farbenmeer verwandelt hat und hinter uns eine fast zwei Meter hohe Heckwelle, die Verkörperung vom Rausch der Geschwindigkeit, der uns allesamt erfasste. Normalerweise schippert eine reguläre Fähre eine gute halbe Stunde für diese Strecke. Wir dagegen brauchten auf diese Weise kurze sieben Minuten. “Das ist echt cool!“ schrieen die Bardowicker Jungs voller Begeisterung ins offene Meer hinaus. Auf Baltrum wurden wir dann auch noch vom Chef höchstpersönlich abgeholt. Na, was für ein Empfang. Arnold winkte uns entgegen und dirigierte uns anschließend zur gängigen Transportmöglichkeit fürs Gepäck: Pferd und Kutsche, wie vor hundert Jahren. Klasse!!! Denn Autos gibt's dort keine. Der Weg führte uns zunächst in die Mehrzweckhalle am Hauptstrand, in der sich in den nächsten Tagen alles abspielen sollte. Unser Quartier, das NTB-Heim, lag ab da an noch eine halbe Stunde zu Fuß entfernt. Dass wir dort nicht unser Zelt aufbauen mussten, weil es war doch schon so spät und dunkel und wir deshalb außerplanmäßig einen Aufenthaltsraum als Schlafstätte und somit die zweite Extrawurst bekamen, wage ich kaum zu erzählen. Ist ja schon fast peinlich.

Anderswo ist es der Hahn, der die Menschen morgens aus dem Schlaf reißt. Auf Baltrum waren es die Fasane, die uns vor dem Wachwerden durch ihr Krächzen geweckt haben. Die gab es auf dieser Insel mehr als genug. Und Karnickel, aber die kennt man ja.

Wieder lag der Gewaltmarsch vor uns. Das Power-Walking führte über die halbe Insel, die sich bei fünf Tagen Dauersonne von Ihrer allerbesten Schokoladenseite präsentierte. Und in dem Getümmel und Gewümmel der Mehrzweckhalle schmeckte es zusammen mit 300 Gleichgesinnten, die dort gleichzeitig saßen und aßen, immer gleich viel besser. Nur hinterher gab es eine lästige Pflicht. Das Abwaschen. Jeder musste ja sein Tellerlein, Besteck und Tasse selbst am Mann haben. Das Abwaschen als solches, na gut, gehörte dazu. Aber da draußen standen nun etwa 6 oder 7 Abwaschschüsseln mit kaltem Wasser. Und ich hab mich jedes Mal wieder gefragt: Wird das jetzt wirklich sauberer, wenn ich das dort hineintauche?!?

In jeder Schüssel schwammen in der lebendig gewordenen Brühe garantiert und seelenruhig irgendwelche aufgedunsene Cornflakes, Krümel und als Abwechslung auch schon mal ein paar Eierschalen. Nein, wie niedlich. Ekel? Nein! Ekel ist hier das falsche Wort. Und vor allem die falsche Einstellung. Also, es gab grundsätzlich zwei Möglichkeiten, besser gesagt drei. Entweder man versuchte von Anfang an sein Geschirr gar nicht erst großartig dreckig werden zu lassen, beschmiert seinen Teller also nicht großflächig mit Marmelade oder Nutella. Da fing der Abwasch schon beim Essen an. Oder man erklärte einfach diese ganze Massen-Spülprozedur zum neuen Kult. Ist doch echt cool, yeah man, wenn Du Deine Sachen mal ganz alternativ mit den gemeinschaftlichen Speiseresten nach “Jetzt-gehörst-auch-Du-dazu“ - Manier umspülen darfst und nicht im spießig-klaren Wasser abwäscht. Als dritte Möglichkeit, und da bin ich später zu  übergegangen, gab es zehn Meter weiter drei Strandduschen, die von einem Großteil kurzerhand zweckentfremdet wurden. “Isst Du noch oder spülst Du schon?“ hätte während der Mahlzeiten zum großen Slogan werden können !!!

Und dann ging's die letzten Meter zum Strand. Zehn Faustballfelder waren bereits aufgebaut und die Spielleitung hatte sich unter dem Zelt direkt am Wasser schon bereit gehalten. Fehlte nur noch Baltrums Bürgermeister Günter Tjards, der zur großen Eröffnung der Beachspiele 2003 gewählte Worte fand. Und das zehn Minuten lang. Was können zehn Minuten doch lang sein, glaubt man gar nicht. Aber das war schon O.K. so. Denn auch er hat durch seinen großen Einsatz dieses Massenspektakel erst möglich gemacht.

Beachfaustball heißt hauptsächlich Luftspielen. 95 % aller Bälle wurden direkt gespielt. Und spektakulär waren natürlich die ständigen Hechts in den weichen Sand. Und das machte auch den größten Spaß. Drei Tage Beachfaustball lagen vor uns. Was konnte uns Besseres passieren. Und wir genossen es alle: Das Strand- und Urlaubfeeling, diese besondere Atmosphäre, sich mit freien Oberkörper die erste Urlaubsbräune auf den Pelz zu holen, als Spieler auf dem Feld nach den Bällen zu springen, mit vollem Einsatz, aber ganz ohne Leistungsdruck, eben just-for-fun zu zeigen, was man faustballerisch drauf hat, mal mit den Füßen im Wasser zu plantschen oder einfach nur faul im warmen Sand zu liegen und sich die Faustballspiele anzuschauen. Aaaahhhh, einfach herrlich!!

Man spielte zu dritt oder viert auf Kleinfeldern. Lasse, Florian und Marci in der E-Jugend. Obwohl es in dieser Altersklasse noch ganz schön schwierig ist, einen Spielzug zu Stande zu bekommen. Ihr Jungs habt super gekämpft, um jeden Ball und es hat mir viel Freude gemacht Euch zuzuschauen. Und toll war es zu beobachten, wie Ihr ständig und immer besser wurdet. So eifrig wie Ihr auch in den Pausen geübt und geübt habt, werdet Ihr große Faustballer. Und Unterstützung bekamen sie von Sören Betker vom SCE Gliesmarode, der mit seinem Papa Olly und der Gliesmaroder Faustballgemeinde angereist war. Danke Sören!! Und Joshi, Carsten und Dennis bewiesen in der D-Jugend Ihr Faustballkönnen.

Beide Teams belegten schlussendlich eine gesunde Platzierung. Die D-Jugend holte sich sogar Bronze. Glückwunsch!!

Am Samstag wurde dann in Mixed-Mannschaften gespielt. 34 Teams meldeten sich an diesem dritten Faustballtag an. Wir hatten unseren Spaß beim Zuschauen, Strandburgen bauen, beim gegenseitigen Einbuddeln, beim Spieleparcour, bei dem die Bardowicker immer wieder probierten, die aktuelle Höchstpunktzahl zu brechen. Na Joshi, wie oft hast Du Dich versucht? 15 mal, 20 mal? Sehr ehrgeizig!!!

Eine Wattwanderung gehört an der Nordsee natürlich zum Standardprogramm und war für nachmittags vorgesehen. Einige von uns haben's auch miterlebt. Ich musste allerdings kurz vorher noch mal zum NTB-Heim und bei der Rückkehr waren die Wattwanderer schon unterwegs. Lasse und ich eiligen Schrittes hinterher, zum Hafen und da sahen wir sie auch noch. Aber weit, weit voraus im platten Watt. Daher schlenderten wir beide nur an den Yachten vorbei, saßen genüsslich auf der Bank und blickten in die Unendlichkeit des leeren Meeres. Gerne hätte ich Euch genau beschrieben, wie alle neugierig die gleichmäßig verteilten Wattwürmer beäugten, durch die unterschätzte Strömung des Priels wateten, wie einige Bardowicker es sogar im Watt schafften, pitschenass zu werden oder wie F. ungehemmt und vor allen Augen seinen Zitronentee in den Wind dringend wieder loswerden musste. Was soll man auch machen. Wenn man muss, muss man. Und sich auf dem endlosen Watt zu verstecken, ist ja auch ein wenig schwierig. Abends dann, direkt nach dem Essen, da wollten alle schnell zum NTB-Heim. Die Abschlussdisco lockte die Jungs zunächst nicht so wirklich. Aber später, da drehten die vier Jüngsten mindestens so auf wie Jensen sein 1000 PS-Motor des Hyperboots. Und wenn der erstmal in Fahrt ist, dann gibt’s kein Halten mehr. Sie haben’s uns Großen gezeigt wie man zur Partymusik tanzt und für Stimmung sorgt. Geniale Einlage, Jungs!!!  

Es wurde ein wenig später als sonst. Und wir marschierten durch die letzte Nacht auf dieser Insel mit der traurigen Gewissheit: Nun ist die Zeit Balt-rum. Eine schöne Zeit. Es gibt noch so viel zu erzählen. So viele Kleinigkeiten. So viele Schönheiten.

Ob tags, ob nachts. So viele Begegnungen mit bekannten und neuen Faustballfreunden. Es ist schön, dabei gewesen zu sein. Zu erleben, wie viel Spaß es macht, den schönsten Sport der Welt am Strand zu spielen. Diese hervorragende Organisation zu bestaunen und zu genießen. 1000-Dank an alle, die dies möglich machten.

Liebe Leser, die nächsten Beachspiele gibt’s in zwei Jahren. Es sollte doch möglich sein, dass wir auch vom TSV Bardowick ein paar mehr Leute werden. Ich bin mir da fast sicher. Mit Begeisterung aus Baltrum zurück grüßt Euch

 

Malte

 

Die Inselglocke Baltrum 4/5-2003