Baltrumer Geschichte und Geschichten 

Die Schrägkreuze auf dem Inselfriedhof 

Auf einem schönen Foto aus den Vierziger Jahren sehen wir den Friedhof im Ostdorf der Insel und nicht, wie irrtümlich im Baltrum-Buch von E. Canzler dargestellt, den alten Friedhof im Westdorf. 

Der heutige Friedhof wurde durch die Beisetzung des 16-jährigen Jünglings Albert Jürgen Albers im Jahre 1840 eröffnet und blieb in den ersten Jahren seiner Entstehung den Familien, die im Ostdorf lebten, vorbehalten. 

Auf dem Friedhof an der alten Inselkirche, der 1810 eröffnet wurde, fanden noch bis zur letzten Jahrhundertwende Beisetzungen statt. 

Das Foto zeigt in der dritten Reihe von rechts nach links die Grabstätten 

+ Peter Edden Peters *1.11.1820 +16.6.1890 

+ Antje U. Peters *7.8.1822 +7.1.1884 

+ Ulrich J. Albers *25.5.1826+20.1.1889 

und in der vierten Reihe von rechts nach links 

+Voigt Hinrich Janssen Küper *12.9.1823 +2.3.1884 

+Heinrich Janssen Küper *27.12.1866 +6.6.1880 

+Edo Edden Peters *28.11.1899 +1.8.1943 

Die Grabstelle des Edo Edden Peters ist heute noch vorhanden. 

Beim Schrägkreuz des Voigten H.J. Küper handelt es sich heute um eine Nachbildung, die auch nicht mehr auf der tatsächlichen Grabstätte steht. 

Das Originalkreuz, so wie auch das Schrägkreuz seines vor ihm verstorbenen Sohnes Heinrich sind zwar stark beschädigt, aber noch vorhanden. Sie werden vom Kirchenvorsteher Friedrich Meyer gehütet. 

Nach langjährigen Recherchen bis hin zur Sepulkralkultur Kassel hat sich herausgestellt, daß es unwahrscheinlich ist, daß Schrägkreuze den Inselvoigten vorbehalten waren, wie es auf Baltrum angenommen wurde. Auf allen anderen ostfriesischen Inseln sind sie auch gänzlich unbekannt. Häufig zu finden sind sie jedoch bis heute im Jeverland. 

Es ist daher anzunehmen, daß die Familie Küper diese Kreuzform in Anlehnung an die Heimat ihrer Vorfahren, dem Jeverland, gewählt hat. Sollte es so sein, dann ist der Ursprung des Schrägkreuzes in der Anhalt-Zerbster (oder „russischen") Zeit zu finden: 

Es wird vom orthodoxen Kreuz abgeleitet und hat folgende symbolische Bedeutung: 

„Beim Tode entscheidet Gott: entweder hinauf in den Himmel, oder hinab in die Hölle." 

Eine schöne Deutung, finde ich. 

Edelgard Graß

Die Inselglocke Baltrum 4-1996 

Die Inselglocke Baltrum