Trutz Blanke Hans 

Strandschutzwerke auf Baltrum III 

Wie bereits in der letzten Inselglocke erwähnt, bot das Pfahlschutzwerk und der dahinter liegende Sanddeich in den Zwanzigerjahren dem Inseldorf keinen ausreichenden Schutz mehr. Dem Strande nahe stehende Häuser drohten an der Steilkante abzustürzen. 

So wurde in dieser Zeit eine Schwergewichts-Betonmauer geplant und schon 1922 bis 1928 wurde nach Juister Vorbild zwischen den Buhnen E und J eine Steilmauer in einer Länge von fast 700 m realisiert. 

Die untere Berme, die auf der Linie des Mittleren Hochwassers lag, wurde durch eine Pfahlreihe gesichert. Zwischen die Berme und die Strandmauer wurde eine Spundwand aus Holzbohlen gerammt. Die Schutzmauer bekam eine Höhe von fünf Metern. Die Steilwand war aus mittelgroßen Sandstein-Quadern gemauert. Die Krümmung und die Abdeckung wurden aus Beton hergestellt. Der obere kleine Wellenbrecher wurde nach außen angerundet und bestand aus kleinen Steinen. Die Abschlusskante war betoniert. Ein schmaler Streifen ward mit Grassoden belegt, die dahinter liegenden Gärten und Dünentäler blieben erhalten. Der Kern dieses Bauwerkes bestand aus Dünensand. 

Die Buhnen im Bereich der neuen Strandmauer mussten allesamt um fast 60 m inselwärts verlängert und mit der neuen Berme verbunden werden. Noch heute kann man trotz der vielen inzwischen erfolgten Instandsetzungsarbeiten die Nahtstellen leicht erkennen. 

Der Ostabschluss der Mauer bestand im Jahre 1927 aus einer leichten Basaltstein-Böschung und einer daran anschließenden Buschhecke als Sandfang und Zaun bis in die Höhe des heutigen Kurzentrums. Die Sandfelder wurden von festgelegten Wegen durchkreuzt und ansonsten mit Strandhafer bepflanzt. 

Der Westkopf unserer Insel wurde in den Jahren 1925 bis 1928 durch eine Strandmauer nach Norderneyer Vorbild in S-Form verstärkt, denn auf Dauer war eine Inselsicherung durch das schon so oft beschädigte und wieder hergerichtete Pfahlschutzwerk nicht gegeben. Die von Nordwesten heran tobenden Wellen sollten sich am S-Profil „tot laufen", um die Wucht von der Mauer zu nehmen und hochschießendes Spritzwasser von den dahinter liegenden Dünen fern zu halten. 

Während der Bauarbeiten wurden viele Leichenteile im Bereich der Buhnen A und B gefunden, die von einem alten Friedhof stammten, der sich bis 1797 neben der damals dort liegenden Kirche (heute Othello-Plate) bis etwa zur Kuckucksdüne erstreckt haben muss. Die Kuckucksdüne war früher die Aussichtsdüne, von wo die Frauen ihren seefahrenden Männern hinterher sahen oder sie wieder willkommen hießen; seit Kurzem ziert sie wieder eine Westbake. Das Norderneyer Profil hat eine Länge von fast 300 m. Die Bauarbeiten wurden von der Norderneyer Baufirma Pleines, die schon auf anderen Inseln Erfahrungen gesammelt hatte, ausgeführt. Wasserbauarbeiten sind stets eine große Herausforderung an die Planer und die Ausführenden: Nicht nur die alltäglichen Wetterprobleme, sondern der Wechsel zwischen Ebbe und Flut, die Springtiden und Sturmfluten erschweren die Arbeit. 

Die alten Fotos machen deutlich, dass alles „von Hand", immer unter Einsatz einer großen Mannschaft ausgeführt wurde. Es wurden nur wenige Maschinen eingesetzt; die große Betonmischmaschine, vermutlich mit Dampf betrieben, war wohl die größte Errungenschaft auf dieser Baustelle. Das Wasser zum Einspülen der Pfähle und Bohlen und zum Betonmischen wurde mittels Handschwengelpumpe aus eigens dafür gebauten Baubrunnen gepumpt. Tiefer gehende Bohlen wurden mit Handrammen in den Boden getrieben. Das Material wurde von der Landungsbrücke, nämlich Buhne M, bis zur Baustelle von Feldbahnen transportiert und auch im Baustellenbereich wurde es auf Feldbahn-Loren verlastet. 

Es darf nicht verkannt werden, dass diese Arbeiten vor allem an die Bauarbeiter hohe körperliche Anforderungen stellten. Die Arbeiter waren in Baubaracken auf dem Gelände des Wasserstraßenamtes am Westkopf untergebracht. Es ist sicherlich nicht erstaunlich, dass einige Arbeiter im Laufe der Jahre ihre Familien nach Baltrum holten und sich hier Häuser und eine Existenz im aufblühenden Fremdenverkehr aufgebaut haben. 

Die neue Wandelbahn, die mit der Strandmauer geschaffen worden war, war für den Fremdenverkehr von gutem Nutzen: Die schon damals zahlreichen Badegäste konnten auf der 3 m breiten Promenade, die auf Betreiben der Badeverwaltung (heute Kurverwaltung) mit Erlaubnis der Wasserstraßenverwaltung eine Beleuchtungsanlage bekam, inhalieren, besonders bei günstiger Brandung, wenn das Meerwasser besonders reichhaltig zerstäubt wurde. Imposant war es auch, die bei Wind- und Sturmfluten an der Steilwand hochschießende Gischt zu beobachten und zu fotografieren. 

Zwischen den Buhnen D und M wurde in den Jahren 1930/31 das vorhandene Pfahlschutzwerk vollständig erneuert. Zunächst wurden die alten Pfähle entfernt. Dazu musste der Betonwall von oben her aufgestemmt werden. In den Mauerschlitz wurden starke Metallanker einbetoniert. Auf diese Halterungen montierte man zwei parallele Winkeleisen, in die dann die Pfähle eingebaut wurden. Die neuen Pfähle, die mit Zinkmützen versehen waren, standen nun frei und konnten nach jedem Durchnässen wieder trocknen. Diese Bauweise hat sich sehr bewährt. 

Im Jahr 1935 wurde der Ostabschluss der Strandmauer durch eine neue Basaltböschung und durch eine Spundwand, die in die Randdüne eingebunden wurde, gesichert. Diese Arbeiten wurden von der Firma Von der Linde ausgeführt. 

Die Herbststurmfluten des Jahres 1936 waren die erste Bewährungsprobe für die neue Strandmauer, die sie verhältnismäßig gut überstanden hat. Am Ostende der Mauer kam es zu erheblicher Sandabnahme. Ohne die kurz zuvor ausgeführte Sicherungsmaßnahme wäre die Situation dort sehr heikel geworden. Am Bauwerk entstanden einige Betonschäden, die im Frühjahr 1937 behoben wurden. Zur gleichen Zeit wurde zur Wiedergewinnung der weggespülten Randdüne eine Querbuhne und weitere Sandfänge gebaut. Durch längere Ostwindperioden und eine intensive Dünenpflege erholte sich die Randdüne wieder. (Vgl. auch Weihnachts-Inselglocke 1996). 

Heino Comien 

Die Inselglocke Baltrum 3-1999

Die Inselglocke Baltrum