Kunst und Literatur

Helmut Dohrmanns "private Geologie" 

 Vahlbrucher Trichter
S/W-Abbildung: "Vahlbrucher Trichter". 1999. Blei- und Farbstift 84 x 63 cm.

Helmut Dohrmann, Baltrumern und Baltrums Gästen bestens bekannt als Zeichner von Naturphänomenen, hat zu seiner diesjährigen Ausstellung in der Baltrumer Schule vom 25. Juli bis zum 19. August etwas Schriftliches mitgebracht. 
Bescheiden nennt Dohrmann dies wunderschön ausgestattete Buch "Katalog zur Ausstellung" und zeigt mit der Titelwahl "Eine private Geologie", was der Betrachter erwarten darf. 

Es ist ein "Bilder- und Lesebuch über Steine" (Dohrmann) bei dem die Zeichnungen eine so profunde Kenntnis der Gesteine und ihres Werdens zeigen, dass sie durchaus "manches geologische Fachbuch bereichern würden" (Mattenklott). 

Trotz des sehr persönlichen Zugangs zu den verschiedenen Gesteinsarten, den Dohrmann als noch nicht abgeschlossen ansieht, hat sich der Künstler zu einer wissenschaftlich begründbaren Gliederung seiner Arbeiten entschlossen: 
"Schiefer", "Granit", "Fundstücke" nennt er seine Kapitel. 
Diesen sind Texte zugeordnet: Auszüge aus Goethes "Schriften zur Naturwissenschaft", Roger Caillois Werk "Steine", dazu persönliche Zeugnisse von KollegInnen, RedakteurInnen, Wissenschaftlern, die ihre Begegnung mit Dohrmanns Bildern schildern. So ergänzen Texte und Bildwerke einander. 

Dohrmanns Arbeitsweise, zu der auch die Kunst des Weglassens gehört, macht es dem Betrachter leicht, wie chinesische Herrscher oder Gelehrte entzückt zu sein über die Steine. Dabei müssen letztere nicht einmal besonders spektakulär in Form, Farbe oder Material sein, zumal Dohrmann keine Anhaltspunkte liefert, wie groß oder klein dieser Block, diese Form in der Realität ist. "Jeder Stein ist ein potentielles Gebirge!" (Caillois). Er ermuntert auch dazu, die Spuren der Ur-Kräfte aufzuspüren, die eben nicht menschlich sind. 

Wie privat Dohrmanns Geologie ist, lässt sich nebenbei ablesen an der Auswahl der Arbeiten, die von 1986 bis 1999 reichen, und außer den ästhetisch durchgearbeiteten Werken auch hin und wieder eine Skizze umfasst. Der beinahe protokollartige Bericht vom Entstehen des Buchprojektes tut ein Übriges, das Private zu betonen. 

Für "Eine private Geologie" werden sich nicht nur die Kenner des Künstlers interessieren. Diese Buchform, die der Regionalverband Harz ermöglicht hat, ist geeignet, Naturliebhaber auf eine eigene Spurensuche zu schicken, ebenso wie Kunstliebhaber zu einer Auseinandersetzung mit Darstellungen von Naturphänomenen. 

Auf jeden Fall bereitet das Blättern, Lesen, Betrachten des Bildbandes Freude, regt zu gedanklichen wie physischen Exkursionen an und ist somit eine Breicherung für jeden damit Beschenkten. 

"Eine private Geologie" von Helmut Dohrmann ist erschienen als zweiter Band der Schriftenreihe des Regionalverbandes Harz (ISBN 3-922805-68-X) und zu beziehen im Nationalparkhaus auf Baltrum oder in der Ausstellung in der Schule. 
Mit 45 Farb- und 24 Schwarz-Weiß-Abbildungen auf knapp 100 Seiten kostet der Bildband DM 60,-. 

Helga Ribani 


Die Inselglocke Baltrum 4-1999 

Auster

"Auster". 1999. Aquarell 47 x 32,5 cm.

Die Inselglocke Baltrum