Mit Sicherheit

Unsere Feuerwehr V

Uns allen wird das Jahr 1966 in Erinnerung bleiben. Im März wurde die 18 Meter hohe Anhängeleiter ausgeliefert und sogleich an der „Villa Christine“ übungsmäßig getestet. Die Leiter hat eine Nutzhöhe von 16 Metern bei einem Abstand zum Gebäude von vier Metern.

Im Mai fand der Kreisfeuerwehrtag erstmals auf Baltrum statt. Am Samstagabend gab es einen Kommerz im Strandhotel Wietjes. Der Sonntagvormittag war der Verbandsversammlung und der Totenehrung am Ehrenmal der Soldaten auf dem Inselfriedhof vorbehalten. An Stelle der Schnelligkeitswettkämpfe fand am Nachmittag eine Schauübung unter Mitwirkung der DGzRS, der DLRG und der Bundeswehr am Strand statt. Während der Übung kam es durch einen technischen Defekt am Hydrauliksystem des Hubschraubers zu einem Brand. Er konnte schnell gelöscht werden und die notgelandete Maschine wurde an den Dünenrand gebracht, um weiteren Schaden durch das auflaufende Wasser zu verhindern. In den nächsten Tagen erfolgte die Reparatur und der Flug zum Festland. Der Kommandeur bedankte sich mit einen freundlichen Brief bei allen Helfern für die tatkräftige Unterstützung.

Das dritte Ereignis war dann der Brand der katholischen Kirche, der am 01. August durch einen Blitzschlag entfacht wurde. Der Umsicht und Schnelligkeit der Wehrmänner ist es zu verdanken, dass die schönste Kirche Norddeutschlands mit nicht einmal 2000 Liter Wasser vor der Vernichtung gerettet werden konnte (IGL 5/96).

Der Hubschrauberbrand machte die Anschaffung eines Pulverlöschanhängers mit 250 kg Löschpulver und die Ausstattung unseres Jeeps mit zwei Handfeuerlöschern mit je 12 kg Löschmittel notwendig.

Letztlich wird das Feuerwehrhaus um eine Garage für den Krankenwagen erweitert, damit die neue Leiter Platz in der Halle bekommt.

Im Jahre 1968 beginnt die Planung für die Anschaffung eines neuen Feuerwehrfahrzeugs. Zunächst soll ein Unimog-Zugfahrzeug gekauft werden. Dieser Plan wird verworfen, und es wird zunächst eine TS 8/8 bestellt. Eine TS 8/8 ist von vier Personen tragbar und hat eine Leistung von 800 Litern je Minute bei einer möglichen Saughöhe von acht Metern.

Durch die Gesetzesänderung im Bereich des erweiterten Katastrophenschutzes wird es möglich, u.a. Feuerwehrangehörige im Katastrophenschutz zu verpflichten. Diese Reglung sollte ein zweckmäßiges Kräfteverhältnis zwischen Bundeswehr und Katastrophenschutz ermöglichen: Feuerwehrmänner werden vom Wehrdienst freigestellt, wenn sie bereit sind, sich für die Dauer von zehn Jahren für die

Mitarbeit in der Feuerwehr zu verpflichten. Sie müssen bereit sein, über das normale Maß hinaus Dienste zu verrichten. Einige Baltrumer Kameraden haben von dieser Reglung Gebrauch gemacht. Das war auch sinnvoll, da hier auf Grund der geringen Einwohnerzahl und des seit der Gründung des Kultur- und Sportvereins gewachsene Freizeitangebotes Personalmangel besteht.

Das Jahr 1969 beginnt mit einem sehr anstrengenden Einsatz, der der Bergung des Küsten-Motorschiffes „Ley“ gilt. Das Schiff war auf dem Baltrumer Watt leck geworden und wurde mit den Schiffen der Baltrum-Linie zunächst in unseren Hafen geschleppt und dann nach Norddeich gebracht. Während der gesamten Zeit war die Feuerwehr unter harten Wetterbedingungen im Lenzeinsatz. Das Wassers wurde aus dem Laderaum des Schiffes gepumpt und die Steinfracht entladen (IGL 5/96).

In diesem Jahr wird Karl Klün Stellvertretender Gemeindebrandmeister, als Nachfolger des 1965 ernannten Stellvertreters Helmut Küper.

Da die dringend benötigten UKW-Funksprechgeräte sehr teuer waren, wurden gebrauchte Funkgeräte kleiner Leistung (CB-Funk) für den inselinternen Funkverkehr angeschafft. Der seit 1961 genutzte US-Jeep ist derart reparaturanfällig geworden, dass von der Firma Fenner in Leer ein gebrauchtes Unimog-Zugfahrzeug geliehen wird. Das Fahrzeug bewährt sich bei einem Dünenbrand nahe dem BK-Heim, bei Transportfahrten, die anlässlich der Auslegung der Wasserleitung zwischen Festland und Insel im Winter 1970/71 notwendig werden und bei einigen Hilfeleistungen.

 

Die Inselglocke Baltrum 5-2003

Festländische Feuerwehr bei der Übung auf dem damaligen Hubschrauber-Landeplatz, September 1971

Anlässlich der ersten Übung, bei der eine festländische Löschgruppe beteiligt war, wurde von dem Fahrzeug eine Schlauchleitung zwischen dem Hydranten am DRK-Heim und dem damaligen Hubschrauberlandeplatz unterhalb der Teestube ausgelegt. Der geliehene Unimog wird mit Auslieferung des neuen Feuerwehrfahrzeugs zurückgegeben. Das Löschgruppenfahrzeug wird nach einjähriger Lieferzeit im Februar 1971 ausgeliefert. Es fährt auf einem Unimog-S-Fahrgestell und kann nahezu jeden Punkt der Insel erreichen. In über 20 Jahren wird es bei Suchaktionen, Krankentransporten, Brandbekämpfungen, Sturmfluteinsätzen im gesamten Inselgebiet mit großem Erfolg eingesetzt (IGL3/97). Die Anschaffungskosten betrugen damals 58.000,00 DM.

Nun beginnen die Planungen für den Neu- bzw. Umbau eines/des Feuerwehrhauses. Zunächst war ein totaler Umbau und damit die Verlängerung des alten Gerätehauses geplant. Das Dachgeschoss sollte weitergehend nutzbar gemacht werden und über ein sicheres Treppenhaus erreichbar werden. Ein  weiterer Plan sah einen Neubau auf dem  Gelände westlich der damaligen Feuerwehr vor. Auch die Versetzung der baufälligen „Alten Inselkirche“ war in Betracht gezogen worden, um der Wehr das dringend notwendige Gebäude errichten zu können. Als letzter unverwirklichter Plan wurde ein großes Gebäude westlich des „Inselhauses“ (Villa Peteda) als kombiniertes Wohn-Feuerwehrhaus durchdacht. Bis 1977 wurde die Entscheidung aus vielfältigen Gründen immer wieder hinausgeschoben.

Der Orkan am  13.11.1972 machte auf Baltrum keinen Feuerwehreinsatz notwendig. Eine Gebäudeaußenmauer stürzte ein, die Bewohner konnten sich selbst helfen. Noch vor dem Jahreswechsel konnte das erste UKW-Sprechfunkgerät der neuen Generation vom Typ „Florian“ installiert werden. Es ersetzte das Gerät aus dem Jahre 1963, das wegen der Veränderung der Kanalraster unbrauchbar geworden war (IGL 5/6-2000).

Der Löschmeister Friedrich Nannen wird im Frühjahr 1973 stellvertretender Gemeindebrandmeister. In diesem Jahr werden zwei weitere UKW-Sprechfunkgeräte angeschafft. Die Herbst-Sturmfluten halten die Feuerwehrleute und viele freiwillige Helfer von Mitte November bis kurz vor Weihnachten in Atem. Diese Einsätze sind vom Erfolg gekrönt. Es gelangt kein Meerwasser in das Dorf, obwohl die Strandmauer sehr stark beschädigt ist (WIGL 98).

Die Ausrüstung der Wehr wird um ein Sprungpolster erweitert. Für den Einsatz dieses Rettungsgerätes werden nur sechs Personen benötigt. Den Krankentransport gibt die Feuerwehr vor der Saison 1974 an die Gemeinde zurück. In den Vorjahren war durch die Aufstellung von Wochenend- und Nachteinsatzplänen versucht worden, den hauptsächlichen Fahrer Karl Comien und seine Familie zu entlasten, was nicht gelungen ist. In diese Zeit fallen einige Dünenbrände und viele Hilfeleistungen aller Art.

In den ersten Jahren wurden winterliche Dorffeste von der Feuerwehr ausgerichtet. Kameradschaftsabende und die Nikolaus-Kinderbescherung gehörten zum dörflichen Feuerwehrleben.

Im Herbst 1975 wird Friedrich Nannen neuer Gemeindebrandmeister, sein Stellvertreter wird Hansjürgen Barow. Der damalige Bürgermeister Heinz Mindermann dankt Karl Comien für seine langjährige und aufopferungsvolle Tätigkeit als Leiter der Feuerwehr und wünscht seinem Nachfolger viel Erfolg im neuen Amt zum Wohle der Insel seiner Bewohner und Gäste.

Wird fortgesetzt.

Heino Comien