Betriebsjubiläum

 

75 Jahre Fuhrunternehmen Lüppen

 

Purgamentum urbis - die "städtische" Müllabfuhr - wird auf Baltrum seit 75 Jahren von der Familie Lüppen betrieben. Am 1. August 1928 wurde der Fuhrunternehmer Anton Lüppen seitens der Gemeinde Baltrum mit dieser Aufgabe betraut, und seit dieser Zeit hat sich - außer dem Müll - nichts Wesentliches daran geändert: Abfälle werden auf Baltrum mit Pferd und Wagen entsorgt, von der Familie Lüppen.

Die 75-jährige Tradition des "Dienstleistungsunternehmens" Lüppen ist zugleich die 75-jährige Geschichte der organisierten Müllabfuhr im Landkreis Aurich überhaupt. Baltrum war eine der ersten Gemeinden, die nach dem Ersten Weltkrieg den wachsenden Bedürfnissen und Anforderungen des Tourismus nach Qualität, Atmosphäre und Hygiene in dieser Hinsicht Rechnung getragen hat. Badedirektor Wilhelm Vogel und Gemeindevorsteher Onno Ulrichs fassten seinerzeit zusammen mit dem Baltrumer Gemeinderat den damals fortschrittlichen Beschluss, ein Unternehmen mit der regelmäßigen Müllentsorgung zu beauftragen. Vieles hat sich zwar gewandelt: So ist seit dem 1. Januar 1975 nicht mehr die Gemeinde Baltrum sondern der Landkreis Aurich der Auftraggeber, so sind die Erfordernisse des Mülltrennungssystems an den unterschiedlichen Pferdewagen sichtbar, so ist die heutige Müllumschlagstation am Hafen ein hochmoderner Betrieb. Das Abholen des Mülls vor der Haustür aber wird allmorgendlich durch ein Pferdegespann und Muskelkraft erledigt. Die besonderen Bedingungen der kleinen autofreien Ostfriesischen Insel lässt besonders in diesem Bereich die Gäste staunen: Im vierzehntägigen Rhythmus werden Biomüll, Kunstoff- und Verbundstoff-, Restmüll- und Papierabfälle von den Haushalten abgeholt, von den Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, im Sommer mehr, im Winter weniger. Hinzu kommen die Abfuhr der Glascontainer und des Sperrmülls mit Pferdewagen, erstere im Sommer häufiger, letztere im Winter. Die heutige Müllumschlagstation am Hafen wurde 1986 in Betrieb genommen und die alte Deponie weiter im Osten geschlossen.

Eduard Lüppen hat das Unternehmen von seinen Eltern "geerbt" wie er sagt. Der gelernte Tischler war nach dem Tode seines Vaters Anton 1972 bei seiner Mutter Else Lüppen "angestellt" und betreibt das Unternehmen seit 2002 selbständig. Else Lüppen verstarb im vergangenen Jahr.

 

Die Inselglocke Baltrum 5-2003

 

Er sei kein gelernter Entsorger, sagt er, und ein Wunschberuf sei dies nicht unbedingt. Er wäre "lieber Schrankenwärter geworden", scherzt er anlässlich der Ehrung durch Oberkreisdirektor Walter Theuerkauf und Landrat Hermann Moritz bei Bürgermeister Günter Tjards im Rathaus auf der Insel - da aber nun keine Schranken auf der Insel zu betätigen sind, sei er froh um seine Arbeit, die käme nämlich von selbst: "Nun fahre ich schon seit 30 Jahren, und der Müll ist immer noch nicht weg!"

Der Landkreis Aurich sei sehr dankbar für den reibungslosen Ablauf, meinte Theuerkauf und überreichte dem Jubilar eine Urkunde, in der die Anerkennung zum Ausdruck kommt. Auch die Gäste und Insulaner könnten sehr zufrieden sein. Er hoffe, dass das Dienstleistungsunternehmen Lüppen auch in Zukunft für den Umweltschutz tätig sein werde. Eduard Lüppen hofft ebenfalls weiter auf gute Zusammenarbeit, der Vertrag mit dem Landkreis läuft noch bis 2005. Sein Pferdegespann "Schröder und Stoiber" - im Wahlkampf angeschafft - soll ihm dabei treu helfen. Inzwischen nennt er sie (vor allem für die Kinder) anders, denn politische Diskussionen will er mit seinen Pferden nicht entfachen. Dass die Tiere nicht sensibel sein dürfen, liegt auf der Hand: Bei den offenen Pferdewagen genügt ein Windhauch und ein leichter gelber Sack des Grünen Punktes weht davon. Sie müssen einen "Rückwärtsgang" haben und bangfrei sein, aber das wären Kaltblüter ja nun einmal.

Was die Tiere bewegen, lässt sich an den statistischen Zahlen ablesen: So wurden von ihnen im vergangenen Jahr 252 Tonnen Bioabfälle (aus den Biotonnen oder Biocontainern) transportiert, 53 Tonnen Restabfälle und 36 Tonnen Sperrgut. 60 Tonnen Glas wurden zur Umschlagstation gezogen, und ein Großteil von 75 Tonnen Kunst- und Verbundstoffe (gelbe Säcke) und 112 Tonnen "stoffgleiche Wertstoffe" inklusive Pappe und Papier, einiges davon liefern die Baltrumer per Fahrrad und Wüppe selbst an.

Bürgermeister Günter Tjards überreichte Eduard Lüppen im Namen der Gemeinde anlässlich des Jubiäums einen großen Präsentkorb und dankte ihm für die langen Jahre treuer Arbeit.

 

Sabine Hinrichs