Neue Freiheit

 

Sieben Seehunde auf dem Weg ins Meer.

11. September 2004: Es war schon ein außergewöhnlicher Samstag, einfach nur so zum Vergnügen nach Neßmersiel zu fahren, um von dort aus an der "Seehundaussetzfahrt" teilzunehmen. Nach
langen Jahren konnte ich das erste Mal der Einladung der Seehundaufzuchtsstation Norddeich folgen.
Der Freitag war ein wunderschöner Tag und ich hatte die Hoffnung: Morgen wird`s auch so.
Pustekuchen, schon auf dem Weg zum Hafen fing es an zu regnen, auf der Fahrt zum Festland und bei der Ankunft in Neßmersiel goss es aus vollen Kannen. Ich war trotz Regenkleidung tüchtig nass, als ich auf die Baltrum III umstieg. Beinahe wollte ich mit dem planmäßigen Schiff wieder nach Hause fahren, wurde aber überredet zu bleiben. Das war gut so, der Himmel klarte auf und ein wenig Sonne lugte hervor.
Jetzt wurden die auszusetzenden Junghunde an Bord gebracht. Aufgeregt robbten die sieben auf dem Vordeck umher, rochen die Seeluft, das Wasser und versuchten irgendwo einen Ausschlupf zu finden. 
Die Baltrum III, am Steuer Kapitän Horst Grams, legte ab und nun ging die Fahrt zur Ostspitze von Norderney, dem beliebten Seehundsliegeplatz. Dort fuhr das Schiff mit dem Bug auf den Strand, seitlich der schmalen Landzunge, auf der auch die Beobachtungskamera der Forschungsstation installiert ist. Nach dem etwas beschwerlichen "Ausbooten"  (in Weidekörben über eine lange Leiter) setzten die Tierpfleger die Seehunde zuerst in ein Gatter, und als alle sieben versammelt waren, wurde der Kreis geöffnet und  OLLI,  SARAH,  ILSE,  ALBERTJE,  PETER,  PAULINE  und  RICKI  robbten langsam und zunächst ein wenig unsicher, ins Meer.
Nach einer kurzen Fahrt vor die Insel und durch den Baltrumer Hafen fuhr die Fähre noch einmal an der Aussetzstelle vorbei, doch von den "Ausgesetzten" war nichts mehr zu sehen. Sie genossen ihre neue Freiheit und allen Gästen an Bord gab es ein Gefühl von Zufriedenheit.

Die Kriterien für die Auswilderung waren erfüllt: Die Seehunde müssen mindestens 25 Kilo wiegen, topfit und gesund sein. Cheftierpfleger Fritz Rabenstein ist es immer ein wenig wehmütig ums Herz, wenn er seine mit Liebe aufgepäppelten Schützlinge frei lässt, jedoch glücklich und zufrieden, wenn die Auswilderung gut gelungen und er sicher sein kann, dass die ehemaligen Heuler in ihrem eigentlichen Zuhause nun selbst auf Fischfang gehen können.
Die Besatzung der Baltrum III brachte alle Fahrgäste in bester Laune nach Neßmersiel zurück und der Käpten verabschiedete mit launigen Worten die bunt gemischte Gesellschaft.

 

Bärbel Nannen

Die Inselglocke Baltrum 6 - 2004

 

Auf der Fahrt dabei waren: Seehundspaten, Mitglieder und Förderer des Vereins zur Erforschung und Erhaltung des Seehunds, Peter Lienau, Leiter der Seehundaufzuchtsstation und natürlich Tierpfleger und ehrenamtliche Helfer. Ein Besuch auf der Station in Norden-Norddeich lohnt bestimmt. Die Mitarbeiter freuen sich und geben gerne Auskunft über das Leben der Seehunde im Wattenmeer.

 

 

Nachsatz:
Seehunde sind von Natur aus neugierig, können ab und zu während der Hochwasserzeit vereinzelt in der Badezone auftauchen. Für die Schwimmer besteht absolut keine Gefahr und nach dem ersten Schrecken auf beiden Seiten versuchen Sie doch einmal, einen der oben genannten Namen zu rufen. Vielleicht haben Sie Glück und es ist einer von den Neuen!

 

Fotos Nannen