Eiszeit

 

Schwäne auf Baltrum

 

Der Rückblick auf den Winter 1979 wäre unvollständig, wenn man die Geschichte um die notgelandeten Schwäne unerwähnt lassen würde.

Die Herkunft dieser Tiere ist nicht so einfach zu bestimmen. Kamen sie aus dem hohen Norden auf dem Durchzug nach Süden oder stammten sie aus den Niederlanden und hatten sich einfach verflogen?

Auf jeden Fall waren sie da und hatten „Versorgungsprobleme“.

Diesen wunderschönen Tieren musste geholfen werden. Für den Hafenschwan wurde mit dem damaligen

Seenotrettungsboot immer wieder ein Loch in die Eisdecke gedrückt.

Der Hafenaufseher Karl Comien sorgte dann auch für Verpflegung, die er von zu Hause mitbrachte. Wie das Foto uns zeigt, wurde der Schwan handzahm und er fraß gerne aus Vaters Hand.

Auf dem ebenfalls zugefrorenen Kinderspielteich hatte sich ein weiteres Tier niedergelassen. Es bestand die Gefahr, dass es auf dem Brackwasserteich (Brackwasser ist ein Süß-Salzwassergemisch) festfrieren könnte. Nach einiger Zeit der Anfütterung hatte er Vertrauen gefunden und ließ sich auf den Arm nehmen.

Der erste Weg führte zu uns nach Hause. Nachdem er ein ordentliches Schwanenmittagessen verspeist hatte, ging es in Richtung Hafen. Dort sollte er nicht etwa ausgesetzt werden, sondern er bekam ein großes Einzelzimmer (Wagenstall) beim ehemaligen Fuhrunternehmer Friedrich Meyer.

Die Versorgung klappte hervorragend, Familie und auch mein Vater kümmerten sich liebevoll um den großen weißen Vogel.

Langsam ging der Winter vorbei. Das Eis im Hafen schmolz und nun wurde er zu dem anderen  Schwan gebracht.

Wir freuten uns, dass die stolzen Tiere gut über die kalte Jahreszeit gekommen waren.

Der „Spielteich“-Schwan hielt sich gerne am Wattenrand – ostwärts des heutigen Bootshafens - auf, bis ihm ein solcher Spaziergang zum Verhängnis wurde.

Ein Hund erwischte ihn und biss ihn tot. Wir waren darüber sehr traurig, vielleicht hat er unter liebevoller Pflege doch einen schönen Winter verbracht, aber es war eben sein letzter.

Eine Baltrumerin hat ihn präpariert und er ist nun stilles Mahnmal seines traurigen Endes.

Als solches befindet er sich nun im Clubraum des Kultur- und Sportvereins im Untergeschoss der Turnhalle.

 

Heino Comien

Die Inselglocke Baltrum 6 - 2004