ZiSCH!

 

Jugendliche auf der Nordsee-Insel Baltrum

„Was macht ihr eigentlich den ganzen Tag hier auf der Insel?“

„Habt ihr überhaupt Fernsehen?“

Auf diese Fragen antworten wir meistens: Im Winter werden viele Sport-, Theater-, Musik- und Kunstangebote vom Kultur- und Sportverein angeboten. Außerdem beschäftigen wir uns mit Reiten, Strandsegeln, Freunde treffen oder wir langweilen uns.

Bei einem Besuch bei Herrn Johann Apel, dem Vertreter des Bürgermeisters Günter Tjards, erfuhren wir auch, dass momentan keine Projekte gegen die „Langeweile“ der Baltrumer Jugend geplant sind. Auch scheint im Gemeindetopf kein Geld für diesen Zweck bereit zu stehen.

Die Möglichkeiten abends auszugehen sind sehr eingeschränkt. Der Jugendclub ist im Winter vollständig geschlossen. Vor einigen Jahren wurde ein „Winterjugendclub“ eingerichtet, der aber noch nie richtig geöffnet hatte. Außerdem sind dort keine Billard-, Kicker- und Tischtennisangebote. Ein Basketballkorb oder eine Halfpipe sind auch nicht vorhanden, wie im anderen Jugendclub.

Leider können wir außerhalb der Saison auch nicht schwimmen gehen. Bis vor ca. 3 1/2 Jahren hatten wir noch die Gelegenheit ins „kleine Schwimmbad“ im „Alten Kurzentrum“ zu gehen. Da es verkauft worden ist und abgerissen wird, ist das nicht mehr möglich.

Außerdem können wir im Winter nicht oft an Land fahren, weil das Schiff selten fährt. Im Sommer jedoch fährt es öfter, da viele Touristen kommen und sich die häufigen Fahrzeiten lohnen. Ab dem Saisonbeginn zu Ostern bis zum Saisonende nach den Herbstferien wird unsere Turnhalle als Kino und Theater genutzt. In dieser Zeit müssen wir draußen Sport treiben. Bei schlechtem Wetter fällt deswegen der Sportunterricht oft aus.

Unsere Schule ist eine Grund- und Hauptschule und bis zum Sommer noch mit Orientierungsstufe. Jedoch nehmen wir nicht nur Hauptschulstoff durch, sondern auch Real- und Gymnasialstoff. An der Baltrumer Schule sind vier Grund- und Hauptschullehrer, ein Realschullehrer und ein Gymnasiallehrer, die in 10 Klassen verteilt 50 Schüler unterrichten. Unsere Klassen bestehen aus 1-9 Schülern, dadurch haben die Lehrer mehr Zeit für die einzelnen Schüler und ihre Probleme. Auf Baltrum sind immer zwei Klassen in einem Raum. So lange der Lehrer der einen Hälfte etwas erklärt, bekommt der andere Jahrgang Aufgaben oder ist leise.

Seit dem letzten Sommer besteht neben der Sport AG auch eine Französisch AG. Dies ist die zweite Fremdsprache, die neben Englisch ab der 5. Klasse unterrichtet wird. Dennoch wissen wir, dass die eine Stunde Französisch in der Woche zu wenig ist, um diese Sprache gut zu lernen. Wir würden uns wünschen, dass Französisch mit als Fach im „normalen“ Stundenplan aufgenommen wird. Das wäre auch vorteilhaft für die Schulabgänger, die an eine weiterführende Schule wechseln und deshalb eine zweite Fremdsprache brauchen.

An der Schule kennt jeder jeden. Es ist eine große Umstellung vom Festland auf diese Insel zu ziehen. Das findet auch Daniela Hollatz, die vor ca. 1 ½  Jahren aus Bayern nach Baltrum kam. Sie stellt 100% der 7. Klasse. Daniela hat sich inzwischen an die Änderungen gewöhnt. Es war eine Umstellung für sie, mit so kleinen Klassen und so wenig Schülern umzugehen. Die meisten Schüler der GHOS-Baltrum gehen nach der 10. Klasse ans Festland. Ein Teil verlässt die Schule jedoch schon ab der 6. Nach dem Sommer diesen Jahres besteht die Möglichkeit schon nach der 4. Klasse die Insel zu verlassen, da die Orientierungsstufe weg fällt. Jedoch ist es für die meisten Eltern unvorstellbar oder zumindest eine schwere Entscheidung, ihre Kinder an Land in eine eigene Wohnung, aufs Internat oder in eine Pflegefamilie zu schicken. Wir meinen, dass dies auch für die Schüler nicht einfach ist, da sie auf sich selbst angewiesen sind und ihre Eltern nur am Wochenende sehen. So wäre es schön, wenn die Schüler der Insel mehr gefördert werden und so ein Schulwechsel erst nach der 10 Klasse leichter gemacht würde.

Wir wünschten uns, dass in die Jugend mehr investiert wird. Sowohl im Alltag, als auch in der Schule. Das würde nicht nur den Kindern auf der Insel zu Gute kommen, sondern auch den Kindern der Gäste. Denn wer die zukünftigen Kunden sein sollen, denen muss die Insel schon früh schmackhaft gemacht werden.

Die Inselglocke Baltrum 6 - 2004

Dieser Text wurde verfasst von:  

Jantje Olchers und Erina Ulrichs

 

Klasse 8 GHOS Baltrum, März 2004

ZiSCH! Zeitung in der Schule ist ein Projekt der Ostfriesenzeitung, dort erschienen am 6. Mai 2004

 

Gut einen Monat langen haben 60 Klassen in 34 Schulen in ganz Ostfriesland mit 1 000 Schülern am Projekt Zeitung in der Schule (ZiSCH) teilgenommen.
Jeden Tag erhielten die Schülerinnen und Schüler ihre OZ und konnten an, mit und über die aktuelle Tageszeitung im Unterricht arbeiten. Die Schüler lernen, wie man Zeitung liest, wie sie gemacht wird, wie man Themen findet, wie man schreibt. Die Ergebnisse werden in der OZ veröffentlicht.
Das Projekt wurde von den Volks- und Raiffeisenbanken in Ostfriesland unterstützt.