Nordseehaus

 

Der BUND ist neuer Hausherr

 

Am Dienstag, den 7. September wurde die Übernahme des Nationalparkinformationszentrums in die gemeinsame Trägerschaft der Gemeinde Baltrum mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz e.V. BUND auf Baltrum offiziell gefeiert.

Von 1989 bis 31.12.2003 war das Nordseehaus auf Baltrum eine Einrichtung der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordsee SDN. Von den ehemals sieben Einrichtungen betreibt diese inzwischen nur noch das Nordseehaus in Dangast. Horst Unger, Leiter des Baltrumer Hauses seit 1990, erläuterte in seiner Begrüßungsansprache die Gründe für die Übernahme durch den BUND: Es ginge für ihn und seinen Mitarbeiter Torsten Moschner in erster Linie um inhaltliche Arbeitsweise. 240 Veranstaltungen pro Jahr - von der Wattwanderung über Salzwiesenführungen und Buhnenbegehungen, von Seminarvortrag bis zur Filmvorführung und Buchlesung - führen die Besucher der Insel in die Natur des Wattenmeeres ein. Das erfordere eine große Eigenständigkeit und am Besten einen eigenen Haushalt. Mögliche Einnahmen durch Spenden könnten so dem Haus direkt wieder zugeführt werden. In einer Zeit und in einem Land "wo nicht gehungert wird", so Unger, dürfe man nicht monetär aufrechnen, was die Information oder Einzelleistung bringe, dürfe man keine Kosten-Nutzen-Analyse stellen. Es müsse der Gesellschaft der freie Eintritt in solche Einrichtungen wert sein. Für Baltrum sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein.

Renate Backhaus, ehrenamtliche Vorsitzende des BUND Landesverbandes Niedersachsen, freut sich über solch Engagement. Die Natur erleben, schätzen zu lernen und dann zu schützen sei das Motto des BUNDs. Naturnahes Erleben erfordere geschultes Personal. Die Zukunft des Hauses lebe mit der Hausleitung.

Die Mutter Natur mit allen Sinnen und ganz unkompliziert zu erleben sei gerade hier im Wattenmeer möglich. Das Nordseehaus auf Baltrum sei in vielerlei Hinsicht einzigartig, nicht zuletzt, wenn solche Veranstaltungen wie das "Schach-Watt-Turnier" die Wertschätzung für den Lebensraum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer steigere und somit wiederum Anregung für den Erhalt und Schutz dieses einzigartigen Naturraumes bringe. Sie bedauerte, dass der  Staat sich weitgehend aus dem Naturschutz zurückziehe. Der BUND Landesverband Niedersachsen betreibt viele Nationalparkhäuser von der Nordsee bis zum Harz mit jeweilig eigenem Charakter und Schwerpunkt. Man habe jetzt gut Erfahrungen mit der kleinsten Ostfriesischen Insel gemacht und ist froh, seit Januar die Trägerschaft des Hauses zusammen mit der Gemeinde übernommen zu haben. Am Haus selbst seien keine gravierenden Änderungen geplant. Die Ausstellung innen soll erneuert werden, man hofft auf eine Umgestaltung des Außenbereichs - das Nordseehaus Baltrum soll zum "Gezeitenhaus" werden. Man werde sich gerne auf die Kreativität der Mitarbeiter stützen.

Klaus Wonneberger von der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven freute sich ebenfalls über die erfolgreiche Übernahme. Das Nationalparkhaus auf Baltrum sei eine der Geburtsstädten im Nationalpark und die betriebsälteste Einrichtung dieser Art. Er sprach vom Glück, dass der damalige stellvertretende Kurdirektor Günther Feldmann darauf bestand "es einfach mal probieren" zu wollen  - die Investitionen seitens des Landes waren zugesichert, die laufenden Betriebskosten übernahm dann die Gemeinde zusammen mit der SDN. Diese hätte damals schon Erfahrung mit den Nordseehäusern gehabt. Aus Sicht der Nationalparkverwaltung haben sich die Schwerpunkte geändert. Die Betriebsgemeinschaften müssten vor Ort miteinander arbeiten und sich verstehen. Die SDN hatte im vergangenen Jahr mehr finanzielle Unterstützung seitens der Gemeinde Baltrum eingefordert - es wäre sogar nur ein Arbeitsplatz erhalten geblieben. Zudem hatte man sich überlegt, den Eintritt kostenpflichtig zu machen. Wonneberger freut sich über die gute Lösung, die man gefunden hat und hofft auf weiterhin gute Zusammenarbeit.

 

Sabine Hinrichs

 

Die Inselglocke Baltrum 6 - 2004

Die wünscht auch Bürgermeister Günter Tjards. Der enorme Vorteil für den Tourismus auf der Insel - entweder herrsche Strandwetter oder Museumswetter, zitierte er Henri Nannen - hätte nicht ohne den BUND gesichert werden können. Zusätzliche Investitionen seien bei der Haushaltslage der Gemeinde nicht möglich und so hätte man gesucht und sich gefunden. Bürgermeister Tjards freut sich, dass der BUND als kompetenter und zuverlässiger Träger eingestiegen ist.

Der BUND trage gerne die Verantwortung für den Naturschutz in der Nordsee, betonte die Vorsitzende Backhaus. Man werde sich auch an der Diskussion um die Offshore-Windparks beteiligen und seine Standpunkte klarzumachen suchen. Die Energiewende dürfe nicht die Zerstörung der Naturlandschaft nach sich ziehen. Der Ausbau der Windenergie an Land und auf dem Meer müsse in die wirtschaftlichen Zonen verlegt werden und dürfe den Nationalpark nicht berühren, fordert sie. Die Lebensräume gilt es zu erhalten ebenso wie den Tourismus als Wirtschaftszweig mit herausragender Bedeutung für die Küste. Das Stromkabel dürfe nicht durch den Nationalpark laufen, ist sie entschieden dagegen. Es gelte das Vorsorgeprinzip: "Im Zweifel für den Nationalpark" - die wissenschaftlichen Nachweise kämen immer zu spät.

 

Rund 40.000 Besucher werden jährlich von Horst Unger und Mitarbeiter Torsten Moschner im Nationalparkhaus auf Baltrum betreut. Es ist die meist besuchte Einrichtung auf der Insel. Neben der Naturausstellung findet sich im Haus die Inselkammer des Heimatvereins sowie Exponate vom NLWK zum Küstenschutz, der EWE zur Stromversorgung bzw. vom OOWV zur Wasserversorgung der Insel.

 

 

 

Foto Hinrichs

Viele Gratulanten beim Nationalparkhaus (vlnr):

Torsten Moschner (Mitarbeiter NPH),,Detlef Szeklinski (KSV), Frank Gaiser (Ratsmitglied), Hermann Wietjes (Nationalparkwart), Heino Comien (Gemeinde- und Kurverwaltung Baltrum), Horst Unger (Leiter des NPH), Klaus Wonneberger (Nationalparkverwaltung Wilhelmshaven), Bürgermeister Günter Tjards, Bruno Fecht (NLWK), Renate Backhaus (Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen des BUND) und Heinz-Jürgen Küper (Gemeinderat Baltrum).