Findelkinder 

Wieder im Meer!!! 

21 junge Seehunde sind am 5. September 1999 an der deutschen Nordseeküste in die Freiheit entlassen worden. Sie waren in den vergangenen Monaten in den Aufzuchtstationen Norddeich und Friedrichskoog mit reichlich Fisch und intensiver Pflege aufgepäppelt worden. Die sogenannten Heuler wurden zwischen Mai und Juli kurz nach ihrer Geburt verlassen im Wattenmeer und auf den Inseln aufgefunden. 

Allein auf Baltrum gab es vier Findelkinder. Der erste Heuler für die Norddeicher Sation war Max. Danach folgten Jette, Susi und Ende Juli auch noch Nicki. 
Störungen durch Menschen und Stürme können die Ursache für die Trennung der Seehundbabys von ihren Müttern sein. Sehr oft wird aber auch ein Badestrand mit einer Sandbank verwechselt, auf dem die Seehundmutter ihr Junges ablegt, um selbst wieder zur Nahrungsaufnahme ins Meer zu tauchen. Spaziergänger, Jogger und Badefreudige bleiben dann zum Aufpassen bei den Jungen stehen und verhindern oft, dass die Mutter zum Säugen wieder an Land kommt. Was oft gut gemeint ist, kann manchmal (nicht immer) zum Gegenteil werden. Nicht jeder Heuler ist ein echter Heuler. 

Acht Seehunde aus Norddeich erreichten mit einer Fähre eine Sandbank in der Nähe der Nordseeinsel Borkum. "Praktisch alle Seehunde schaffen den Weg in die Freiheit ohne Probleme", sagte Winhold Schumann, der Leiter der Norddeicher Seehundaufzuchtstation. 

Viellecht liegen im nächsten Jahr die "Findlinge" wieder auf den Sandbänken zwischen Norderney und Baltrum oder sogar am Osterhook, dem Ostende auf Baltrum. Die "Entdecker" und die Seehund-Beauftragte würden sich freuen! 
Natur ist doch was Schönes. 

Bärbel Nannen 

Die Inselglocke Baltrum 6-1999