Die Inselglocke Baltrum
Behördengeschichte 


Inselschutz auf Baltrum  

Mit Beginn der Bauarbeiten an den Buhnen und dem Dünendeckwerk wurde am Westkopf ein Baubüro und ein Bauhof eingerichtet. Zunächst wurden Schuppen aus Holz als Material- und Gerätelager aufgestellt. 

Die vom Baltrumer Bautechniker erarbeiteten Baupläne wurden von Bauingenieuren am Wasserbauamt in Norden geprüft und dann in Berlin im zuständigen Ministerium genehmigt. Damals war das Wasserbauamt für den gesamten Inselschutz samt der Dünenpflege zuständig. 

Für den Materialtransport wurde im Watt eine kleine Anlegestelle geschaffen und ein Bahngleis ausgelegt. Wahrscheinlich wurden die Lorenzüge mit Pferdekraft gezogen. Ein Pferdestall befand sich in der Nähe des heutigen Witthus. 

Das Gleis verlief vom Watt her in der Nähe der Müllumschlagstation auf die Insel und in einem großen Bogen zum Westkopf. Wegen der Reparaturanfälligkeit bei Sturmfluten und bei Vereisung des Wattenmeeres wurde für den Bau der Strandmauer eine andere Lösung gesucht. Die Verwendung der Buhne D am Westkopf als Schiffsanleger kam nach einigen Versuchen nicht in Frage. Die starke Strömung machte auch den Ausbau zum Anleger dort unmöglich. gelegentlich legten jedoch Bereisungsfahrzeuge für Baustellenbesichtigungen an. Unter Insulanern wird diese Buhne deshalb heute noch als „Regierungsschlenge" bezeichnet. Das plattdeutsche Wort Schlenge steht für Buhne. 

Etwa 1880 wurde ein Dienstgebäude hart am Pfahlschutzwerk gebaut. Es befanden sich je eine Wohnung für den Baumeister und den Bauaufseher darin, sowie Büro und Lagerräume. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebäude abgerissen und durch ein neues, größeres Haus ersetzt. Es bot Platz für zwei Dienstwohnungen und für festländische Bautechniker, die einige Tage oder Wochen auf Baltrum verbringen mussten. Außerdem war ein großes Büro und ein Lagerraum für Material und Vermessungsgeräte vorhanden. Auf dem Dachboden wurden Reparatur-Material und später auch Sandsäcke gelagert. 

Das Gebäude war ein Klinkerbau, der zusätzlich mit einem Außenverputz versehen war, mit gelber Farbe angestrichen. 

Auf dem Gelände wurden nach und nach weitere Häuser errichtet: Eine Schmiede mit Lok-Schuppen, eine große Backstein-Baracke als Unterkunft für die Arbeiter, die über die Woche vom Festland kamen, Material- und Treibstofflager. In dem Bunker unter der Kuckucksdüne war zeitweise eine Tischlerei untergebracht. 

Vor dem Beginn des Strandmauerbaus wurde neben der Buhne M ein Anleger aus Holz gebaut. Die Buhne war schon seit 1910 als Anlegestelle für Motorschiffe genutzt worden. Auf dem Holzsteg wurde ein Schmalspurgleis montiert; es wurde bis zum Bauhof, auf einer heute noch erkennbaren Trasse ausgelegt. Dieses Gleis wurde je nach Bedarf bis zu der jeweiligen Baustelle im Strandmauer- und Buhnenbereich verlängert. Zeitweise wurden auch Dampf-Loks für den Materialtransport eingesetzt. 

Für den Sandtransport standen Kipploren mit einem Volumen von ca 1 m³ und für festes Material kleine Flachloren mit einer Ladefläche von 1 m² zur Verfügung. Die später eingesetzte Diesel-Lok hatte eine Maschinen-Leistung von 16 PS. 

Für das Einspülen der Pfähle an den Buhnen und Bermen stand zunächst nur eine kleine Handdruckspritze zur Verfügung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine schwere Motorpumpe angeschafft. Die Handdruckspritze wurde der Kurverwaltung für das Ein- und Ausspülen der Badeabgrenzungspfähle überlassen. 

1930 wurde hier ein Pegel installiert. Der Wasserstandsmesser befand sich nahe der Buhne. Die Messwerte wurden über ein Spezialkabel zum Baubüro übertragen. Dort befand sich das Beobachtungsgerät. Der jeweilige Wasserstand konnte sofort abgelesen werden. Außerdem zeichnete der Schreibpegel die Tidekurven auf ein Wochenblatt. Noch heute werden die Daten beim Landesbetrieb für Küstenschutz und Wasserwirtschaft verwahrt. 

Die Anlage des Kiefernwaldes 1920 war eine der letzten Maßnahmen des Wasserbauamtes im Bereich der Dünenpflege. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bezeichnung von Wasserbauamt in Wasser- und Schiffahrtsamt (WSA) geändert. 

Ende der fünfziger Jahre wurde das „Gelbe Haus" abgerissen. Der Salpeter hatte große Schäden angerichtet. Eine Grundsanierung war nicht zweckmäßig, und es wurde eine moderne Wohnung für den neuen Außenstellenleiter benötigt. Das vorhandene Büro genügt den Ansprüchen auch nicht mehr. So wurden auf dem Westkopf zwei neue Häuser errichtet: Ein Wohnhaus für den Bauingenieur, in dem auch Platz für einen Vertreter oder zusätzlichen Mitarbeiter und Praktikanten war, sowie ein Bürogebäude mit zwei Büroräumen, einem Lager, in dem zeitweise auch Lichtpausen angefertigt werden konnten, und einem kleinen Raum für die Pegelbeobachtung. 

In den späteren Jahren wurde für die Arbeiter eine zeitgemäße neue Unterkunft nördlich des Bürogebäudes geschaffen. Die bisherige Arbeiter-Baracke wurde umgebaut und bietet nun Platz für das hier stationierte Mehrzweckfahrzeug. 

Einige Jahre lang stand auch ein Bagger als Kran zur Verfügung, der hauptsächlich zum Entladen von Material am Hafen und auch auf Baustellen eingesetzt wurde. 

Die Schienenverbindung war Anfang der siebziger Jahre aufgegeben worden. Materialtransporte erfolgten nun mittels Lastkraftwagen und im jeweiligen Baustellenbereich auch mit kleinen Autokippen. Für Sturmfluteinsätze war ein Kipper mit einem Arbeits- und Suchscheinwerfer ausgerüstet.. Seit 1974 stehen auf dem Bauhof auch ein Notstromgenerator und ein Halogenscheinwerfer bereit. Sandsäcke stehen in großer Menge sowohl als Amts-Bestand als auch als Landesreserve zur Verfügung. Außerdem werden für die Inselverteidigung auch Schüttsteine, Pfähle und Buschwerk bereit gehalten. Für die Verbindung zu den Deichwacht-Streifen wurden 1974 drei tragbare, wasserdichte UKW-Sprechfunkgeräte angeschafft. 

Anfang der dreißiger Jahre wurde dem in Norden ansässigen Domänen-Rent- und Bauamt ein Teil des Inselschutzes auf den Ostfriesischen Inseln übertragen. Auf Baltrum wurde ein Bautrupp unter dem Vorarbeiter Hermann Hinrichs gebildet. 

Der räumliche Aufgabenbereich begann am heutigen Ostschuppen und ging über das Osterhook bis zur Landungsbrücke. 

Dünenschutz- und Pflege war die Hauptaufgabe der Arbeiter. Hinzu kam die Sicherung der Hellerkante im Süden der Insel. Die kleine Baltrumer Mannschaft hat hervorragende Arbeit zum Schutz der Insel geleistet, und damit konnten die Mitarbeiter der WSA sich mehr mit der Wartung und Pflege der Strandschutzwerke befassen. 

Mitte der fünfziger Jahre wurde eine Außenstelle der nun als Bauamt für Küstenschutz und Landgewinnung bezeichneten Behörde auf Baltrum gebildet. Ein Dienstgebäude wurde mit einer Wohnung für den Inselaufseher nahe dem Dünenschlösschen gebaut. Warnder Sparenborg wurde als Inselaufseher eingesetzt und übte das Amt bis zu seinem Tode im Jahr 1964 aus. 

Nördlich vom Friedhof wurde ein kleiner Bauhof geschaffen. Ein Holzhaus als Lager und Werkstatt wurde errichtet. 

Im Jahre 1972 wurde neben Haus Seestern ein Inselwachhaus mit einer Wohnung für den neuen Inselaufseher und weiteren Diensträumen gebaut. Das vorher genutzte Gebäude steht genau wie der alte Rettungsschuppen als Mitarbeiter-Unterkunft zur Verfügung. 

Nach der Sturmflut-Serie im Herbst 1973 beschaffte das BfK Sprechfunkanlagen im UKW-Bereich und rüstete damit auch die Außenstellen aus. dadurch entstand eine drahtlose Verbindung zur Zentrale in Norden. Für die Deichposten wurden Handfunksprechgeräte angeschafft. 

Zwischenzeitlich kam es zur Umbenenung des Amtes in Staatliches Amt für Insel- und Küstenschutz (StAIK). 

Am 1. April 1979 wurde die Behördenreform umgesetzt. Die Wasser- und Schiffahrtsämter wurden an das StAIK abgegeben. Die Betreuung der Häfen wurden dem Niedersächsischen Hafenamt Norden übertragen. Im Zuge der Umorganisierung wurden einige Mitarbeiter des WSA beim StAIK und andere beim Hafenamt, das auf Baltrum eine Schiffsmeldestelle errichtete, beschäftigt. 

Die technische Betreuung des Hafens wurde dann dem Baubüro Norderney übertragen, so dass hier nur Hafenaufseher beschäftigt werden. 

Das westliche Dienstgebäude übernahm das Hafenamt, die anderen Gebäude, die Geräte und Materialien das StAIK. Das Inselwachhaus wurde nur noch als Wohnhaus genutzt, da die Dienstgeschäfte im Dienstgebäude auf dem Westkopf wahrgenommen werde. Haio Noormann war verantwortlicher Aufseher für den gesamten Inselschutz. 

Die Funkanlage wurde umgesetzt und weitere Handfunksprechgeräte angeschafft. 

Anfang 1998 wurden das Staatliche Amt für Insel- und Küstenschutz und das Wasserwirtschaftsamt Aurich in dem neuen Landesbetrieb für Küstenschutz und Wasserwirtschaft zusammengefasst. Behördensitz ist Norden. 

Heino Comien 

Die Inselglocke Baltrum, Sonderausgabe zur 600-Jahr-Feier der Insel Baltrum 1-1998