Wilhelm Klünder
Ein großer alter Mann verlässt die Bühne Baltrums

Als am 24.10.2000 Wilhelm Klünders Sarg aus dem Haus des Gastes, wo die Trauerfeier stattfand, getragen wurde, läutete die alte Inselglocke. "Schön, dass unsere alte Inselglocke zu diesem traurigen Anlass wieder feierlich läutet und ihre Funktion erfüllt," sagte eine Insulanerin.

Wilhelm Klünder starb am 21.10.2000 nach langer und schwerer Krankheit. Der große alte Mann hat Baltrums Geschichte während seines Lebens entscheidend mit beeinflusst, so wie auch sein eigenes Leben durch die Insel geprägt wurde.

Am 14.09.1929 wurde wilhelm Klünder im jetzigen Bad Bentheim geboren. Er wuchs in einer Familie auf, die seit fünf Generationen Lehrer hervorgebracht hatte, was auch seinen späteren Berufswunsch beeinflusste.

Aufgewachsen in den Wirren des Zweiten Weltkrieges musste er seine schulische Laufbahn mehrfach unterbrechen, bis er schließlich 1948 seine Abiturprüfung ablegte. Sogenannte "kriegswichtige Einsätze" wie das Sammeln von Kartoffeln beim Bauern, das Arbeiten in der Textilindustrie als Weber und der Arbeitsdienst waren damals wichtiger als die Schulbildung.

Nach dem Abitur war der Zugang zum Lehrerstudium durch übergroßen Andrang versperrt, sodass Wilhelm Klünder zunächst eine Banklehre machte, die Inspektorenprüfung ablegte und Beamter und Beamter auf Lebenszeit bei der Bundesbank wurde. Den Beamtendienst warf er sodann über Bord, begann endlich mit dem Lehrerstudium und legte 1960 das Examen ab. Er gründete eine Familie und bewarb sich schließlcih nach Baltrum auf eine frei gewordene Lehrerstelle, wo er 1965 mit damals 35 Jahren seinen Dienst antrat. Bis zu seiner Pensionierung war Wilhelm Klünder Rektor der Baltrumer Schule, beliebt gleichermaßen bei den Kindrn, den Kollegen und der Elternschaft.

Seit 1963 Mitglied der SPD, wurde er 1972 in den Baltumer Gemeinderat gewählt, er blieb Ratsmitglied bis kurz vor seinem Tode. Von 1981 bis 1986 und von 1991 bis 1996 war er Bürgermeister der Gemeinde Baltrum.

Wilhelm Klündrs große Leidenschaft galt dem Theater schon von Kindesbeinen an. 1965 wurde der Baltrumer Kultur- und Sportverein gegründet, dessen Vorsitzender er 29 Jahre lang bleiben sollte. Im gleichen Atemzug wurde die Theatergruppe ins Leben gerufen, die sich unter Wilhelm Klünders Leitung zu einer nicht mehr wegzudenkenden Institution entwickelte. Insulaner und Urlauber erwarten jedes Jahr mit Spannung ein bis zwei neue Inszenierungen von beachtlicher Qualität. Etliche der aufgeführten Stücke hat Wilhelm Klünder selbst geschrieben. Von 1997 bis 1999 war der engagierte Theatermann Vorsitzender des Landesverbandes niedersächsischer Amateurbühnen.

Ein "Faible für die Nordsee", so seine eigenen Worte, hat dafür gesorgt, dass mit Wilhelm Klünder ein Mann auf unsere Insel kam, der sein Leben dem Wohle der Schule, der Inselgemeinde und dem Theater verschrieben hat.

Sein Tod reißt eine Lücke.

Das eingangs erwähnte Läute der alten Inselglocke, die unser Wappen ziert, war das Abschiedsgeläut für Wilhelm Klünder. Es gab zu verstehen, dass ein großer, etwas gebeugter Mann, stets eine alte Aktentasche unterm Arm, seine tiefe und sonore Stimme nur noch in unserer Erinnerung erheben wird. Der stete Nordseewind wird sehr lange brauchen, um seine Fußstapfen auf der Insel mit Sand zu bedecken.

Ellen Althainz

Die Inselglocke Weihnachtsausgabe 2000


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