A.S. MKARENKO - auf dem Trockenen Hafengeschichten 

Kleines Schiff mit großem Namen
A.S.Makarenko 

Es handelt sich um einen GFK-Kutter aus dänischem Werftbau, Baujahr 1985: Länge 6 m, Breite 2,36 m, Tiefgang 0,80 m. Motor: Volvo Penta 2002, 2 Zylinder, 18 PS. Radar, Decca-Navigator, UKW-Seefunk, Grenzwellenempfänger, Selbststeueranlage, Fernkompass, Echolot, Log, Windmessanlage. 3 Schlafplätze, WC. Petroleum-Kocher, Wassertank, Rettungswesten und diverses Zubehör. Liegeplatz Baltrum. 

Soweit die technischen Daten. So ein kleines Schiff mit solch einer Ausrüstung und mit diesem merkwürdigen Namen noch dazu? Auf Baltrum? 

Dahinter steht folgende Geschichte: 

Als die Gebrüder Hinrichs sich nach genügend langem „Austoben" auf ihrem Motorsportboot „Wild Turkey" für eine etwas langsamere Gangart entschieden, fiel ihnen die A.S. Makarenko in einer Anzeige auf und ins Auge - das wäre ein Schiff für sie und für Baltrum! 

Schnell wurde man sich mit dem damaligen Eigentümer Prof. Dr. Jörg Ziegenspeck aus Hamburg einig, und im Frühjahr 1993 wurde das Schiff über den Landweg nach Baltrum geholt. Jörg Ziegenspeck ist Professor für Erlebnispädagogik an der Hochschule Lüneburg - und dies ist auch die Quelle für den eigentümlichen Namen des kleinen Schiffes. 

Anton Semenovic Makarenko, geboren am 1./13. März 1888 in der Ukraine war Schriftsteller und Erzieher und gilt heute als Wegbereiter der modernen Erlebnispädagogik. Er lebte bis 1939, seine Arbeit wurde erst posthum richtig anerkannt. Auf die inhaltlichen Ziele seines Wirkens soll hier nicht näher eingegangen werden, fest steht, dass die Pädagogen heute trotz einiger Kritikpunkte und Weiterentwicklung nicht um ihn herum kommen, um es einmal salopp auszudrücken. 

In Lüneburg nun, wo der ehemalige Eigner lehrt, gibt es einen Studienschwerpunkt „Freizeitpädagogik", der in ein „erlebnispädagogisches Praxisfeld" mündet: Segeln. 

Mit Hilfe einiger Arbeitsgemeinschaften und Fördervereinen ist es gelungen, Segelschiffe zu unterhalten. Auf den Fahrten in der Ostsee wurden in den 80er Jahren zunächst z.B. Sonderschüler oder schwer erziehbare Jugendliche therapiert, später vor allem arbeitslosen und straffällig gewordenen Jugendlichen die Möglichkeit zum gemeinsamen Erleben gegeben: „Erziehung durch die See" heißt das Motto. 

Die A.S.Makarenko wurde dabei von ihrem Eigner Prof. Dr. Ziegenspeck sozusagen als Begleitboot eingesetzt - daher die hervorragende Ausrüstung. 

Auf Baltrum hat das kleine liebenswerte Boot nun seine neue Heimat, und wie man sieht, wird es weiterhin bei allerlei erlebnisreichen Ereignissen eingesetzt, wie bei einem Hafenfest als Verkaufsstand von Eis, oder als Transporter für einen Strandkorb, der ans Festland gebracht werden muss. 

Sabine Hinrichs, Die Inselglocke Baltrum 
Weihnachtsausgabe 1997 

Die Inselglocke Baltrum