Die Inselglocke Baltrum
Fröhlicher Wechsel


"Er wechselt mit uns wunderlich..." 
Gedanken zu Weihnachten von Pastor Lothar Friebe 

Foto: Nannen

"Ich wünsche mir zu Weihnachten ein rotes Auto", sagt mein Sohn. "Ich auch", kräht die Kleine hinterher. Und auch wir Erwachsenen wissen wohl, was wir noch gebrauchen können. Die Freude auf den Augenblick unter dem Tannenbaum, wenn die Geschenke ausgetauscht werden, ist doch sehr groß! Immer wieder! Was wird meine Frau zu meinem Päckchen sagen? Und was bekomme ich von ihr? 
Jedesmal wenn am Heiligen Abend ein Geschenk getauscht wird, vollzieht sich ein Gleichnis der Weihnachtsbotschaft. Oft wissen Schenkende und Beschenkte das gar nicht. Und doch: Schenken ist eine Art Wechseln - der andere bekommt etwas, was vorher mir gehört hat, und ich bekomme etwas, was vorher Eigentum des anderen war. 
Genau dies ist ein Sinnbild für Weihnachten. Denn Weihnachten heißt: Gott und Mensch haben etwas ausgetauscht. Was vorher beim Menschen war, ist jetzt bei Gott und umgekehrt. 

"Gottes Sohn ist geboren, ein König, ein Heiland, ein Friedefürst", so lesen wir es in den Weihnachtsgeschichten. Aber was sehen wir im Stall von Bethlehem? Einen Futtertrog, Stroh, einen Esel, ein Neugeborenes in Windeln gewickelt. Zeichen der Ärmlichkeit und der Schwachheit. Passt das zu einem Königskind? Nein, gewiss nicht! Aber dies ist die Botschaft von Weihnachten: Gott nimmt etwas an, was gar nicht zu ihm passt - er nimmt meine Ärmlichkeit, meine Schwachheit, meine Heimatlosigkeit an. Wenn wir in die Weihnachtsgeschichte blicken, sehen wir zunächst uns selbst - so ist nicht Gott, so sind wir! 
Und umgekehrt? Was bekommt der Mensch von Gott? Alle, die das Neugeborene gesehen haben, kehrten verwandelt zurück Die Hirten priesen und lobten Gott auf dem Heimweg, und der alte Simeon bekennt: "Meine Augen haben den Heiland gesehen", das heißt den, der mein Leben heil macht - und er sagt dies so getrost, dass er mit diesem Erlebnis in Frieden sterben kann. Der Mensch bekommt von Gott das Heil geschenkt, das heißt den Frieden, den Glauben, den Trost, den er braucht, damit sein Leben heil wird. 
Luther hat oft von einem "fröhlichen Wechsel" gesprochen. Gott nimmt an, was menschlich ist, und der Mensch bekommt etwas Göttliches. 
Und der Liederdichter Nikolaus Herman hat es 1560 in Verse gebracht: 
 "Er wechselt mit uns wunderlich - 
 er wird ein Knecht und ich ein Herr". (Ev. Gesangbuch Nr. 27,4+5) 

Mögen wir zu Weihnachten, wenn wir Geschenke tauschen, an diesen "fröhlichen Wechsel" 
Gottes denken! 

Die Inselglocke Baltrum, Weihnachtsausgabe 1999